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Re: erhöhte Bußgelder für Radler
Verfasst: Do Feb 07, 2013 8:53 am
von katapult
Radwege sind gefährlich. Selbst wenn sie den ERA entsprechen würden, was sie in 95% der Fälle nicht tun haben sie immer noch ein mehrfach erhöhtes Unfallrisiko gegenüber der Fahrbahnbenutzung. Das die gefühlte Sicherheit gerade von ungeübten Radfahrern diesem Befund widerspricht macht die Sache nur noch schlimmer. Hier müsste eine entsprechende Verkehrserziehung ansetzen. Solange die zuständigen Behörden sich jedoch weigern geltendes Recht umzusetzen (Immerhin schon seit 15 Jahren) wird sich auch daran nichts ändern. Im Gegenteil. Die lachen sich ins Fäustchen wenn die Radfahrer selbst nach Ghettoisierung schreien, anstatt neue Ansätze der Verkehrsplanung einzufordern. Generell Tempo 30 in Ortschaften und den Radverkehr auf die Fahrbahn wäre z.B. eine einfache, rechtssichere Maßnahme die auch noch Kostengünstig in den vorhandenen Lichtraumprofilen umzusetzen wäre. Einzige Krux: Sie folgt nicht der Doktrin der Beschleunigung des KFZ Verkehrs. Dies und nichts anderes ist das Ziel der praktizierten Radverkehrspolitik. Weg von der Fahrbahn mit dem lästigen Radfahrer, koste es was es wolle.
Pipach, beim Helm hast du es doch auch verstanden. Es gibt genügend untersucheungen, unter anderem von der Fahradpolitisch völlig unverdächtigen berliner Polizei, die eine Zunahme von Unfällen nach Anordung eines benutzungspflichtigen Radweges eindeutig belegen. Das entmischungsprinzip führt zwangsläufig zu einer Erhöhung der Komplexität und vermehrung von Kreuzungspunkten. Und genau da kracht es dann. Der Fehler ist Systemimmanent.
Re: erhöhte Bußgelder für Radler
Verfasst: Do Feb 07, 2013 9:27 am
von Pibach
katapult hat geschrieben:Radwege sind gefährlich. Selbst wenn sie den ERA entsprechen würden, was sie in 95% der Fälle nicht tun haben sie immer noch ein mehrfach erhöhtes Unfallrisiko gegenüber der Fahrbahnbenutzung.
Das kann man doch gar nicht wirklich untersuchen. Die Gefährdung bezieht sich auch auf ganz bestimmte Stellen und Situationen, nicht unbeding auf das Gesamtkonzept. Wäre das Fahren auf der Straße so viel sicherer, dürfte z.B. die Unfallrate der Mopeds nicht so viel höher als die der Radfahrer sein, ist sie aber. Obwohl Radfahrer wohl sehr viel häufiger gegen Regeln verstoßen, scheint das keinen so wesentlichen Einfluß zu haben. Jedenfalls würde es wohl in keinem Verhältnis zu einer Gängelung durch noch höhere Bußgelder und verstärkte Kontrollen - und der damit einhergehenden Reduzierung der Radfahrerquote stehen.
Re: erhöhte Bußgelder für Radler
Verfasst: Do Feb 07, 2013 9:56 am
von TomK
Frank willst du wirklich das Politiker solche Entscheidungen nach ihrem "Bauchgefühl" treffen und nicht nach tatsächlichen Fakten?
Laut Statistik sind Radstreifen gut und Radwege schlecht, wie eindimensional kann man nur denken.
Das ist nicht die Aussage. Die Aussage ist das fahrbahnbegleitende Radwege *gefährlicher* sind als Radstreifen. Sicherheit kann nicht als Begründung für den Bau von Radwegen herhalten. Komfort kann eine valide Begründung sein.
Und warum müssen die Radler unverschuldet für das Fehlverhalten der motorisierten Verkehrsteilnehmer büßen.
Nicht nur Radfahrer - vor allem auch Fußgänger. Durch die derzeitigen Hochbordradwege auf Fußgängerwegen leiden vor allem Fußgänger.
Die Forderungen nach Radwegen beruhen vor allem auf der falschen Annahme das sie sicherer wären. Das wird seit Jahrzehnten propagiert. Nur so kann ich mir erklären warum man ein Eltern mit Kinderanhänger auf zu schmale Radwege schicken will. Ich kann mir nicht vorstellen das 80cm breite Anhänger auf 90cm breiten Radwegen sicher und angenehm zu fahren sind. (btw besteht für Anhänger keine Benutzungspflicht, sie sind eigentlich als Mehrspurer auf der Fahrbahn zu fahren)
Radverkehrsführungen auf der Fahrbahn bieten gegenüber Radwegen enorme Vorteile. Weniger Verschwenkungen, besserer Belag (Asphalt), Reinigung durch normale Räumfahrzeuge, viel weniger Hindernisse, Ausweichmöglichkeit, klare Trennung zum Fußgängerweg durch Bordstein, ... All dies steht dem ominösen Sicherheits_gefühl_ gegenüber. Radstreifen stellen einen Kompromiss zwischen der Sicherheit (Mischverkehr bei 30 km/h) und dem Komfort (separate Verkehrsführung) dar.
Getrennte Verkehrsführungen für KFZ und Fahrrad bieten sich vor allem an wenn es zu stark unterschiedlichen Geschwindkeiten kommt. Je größer der größer der Geschwindigkeitsunterschied und je weniger Kreuzungen um so vorteilhafter ist eine Separierung. Dies gilt in beide Richtungen - bequem mit dem Fahrrad am Stau vorbeifahren ist deutlich schöner, als sich rechts an den stehenden KFZ vorbeizuquetschen.
Re: erhöhte Bußgelder für Radler
Verfasst: Do Feb 07, 2013 9:57 am
von katapult
Warum kann man das nicht untersuchen? Ich kann doch die Unfallzahlen vor und nach Radwegebau miteinander vergleichen. Ergebnis ist das die Unfallzahlen im Längsverkehr gegenüber denen im Kreuzungsbereich zu vernachlässigen sind. Weiterhin steigen die Unfallzahlen im Kreuzungsbereich erheblich. Das weis man seit über 20 Jahren.
http://www.adfc-bw.de/texte/fdf.zip
http://www.adfc-weyhe.de/radwege/unfallzahlen.php
http://www.complang.tuwien.ac.at/anton/ ... rheit.html
Re: erhöhte Bußgelder für Radler
Verfasst: Do Feb 07, 2013 11:24 am
von frankd
Gerade die statistischen Untersuchungen zeigen den Unsinn, daß Radwege gefährlich sind. Aber Statistik kann man auslegen wie man möchte.
Die Radwege an sich senken die gefährlichen Unfallzahlen mit den KFZ, nur die Kreuzungsbereiche mit anderen Verkehrsteilnehmern werden gefährlicher. Auf der Strecke sind Radwege sicherer, nun gilt es, die Kreuzungen zu entschärfen, aber dies wurde auch schon öfter in Beiträgen angemahnt.
Und es gibt genug Radler in der Kurzstrecke, die fahren nur Strecke ohne Kreuzungen, z.B. nur bis zur nächsten Abbiegung und die fahren auch laut Statistik sicherer.
Re: erhöhte Bußgelder für Radler
Verfasst: Do Feb 07, 2013 11:32 am
von Muc-Falter
Wenn ich mir die Münchner Straßen so anschaue bin ich vom Gedanken des Fahrbahnbegleitenden Radweges nicht begeistert.
Rechts neben Dir hättest Du den Parkstreifen mit den parkenden Autos (Tür die geöffnet wird), dann musst man einparkenden Autos ausweichen ect...
Die einzig vernünftige Lösung finde ich ist ein Tempo 30 und Fahrräder und Autofahrer gleichberechtigt. Das wäre auch ohne große Kosten zu machen, so sind leere Gemeindekassen kein Argument. Wie es in der Praxis aussehen würde ... sieht man mal die schnellen Autofahrer in 30er Zonen vor Kindergärten ect... Bei Geschwindigkeitsbegrenzungen ist die Verkehrsmoral der Autofahrer ebenso schlecht wie die der Radfahrer allgemein. Und auch Autofahrer argumentieren wie Peter....
Zur Zeit anscheinend nicht durchsetzbar.
Re: erhöhte Bußgelder für Radler
Verfasst: Do Feb 07, 2013 1:29 pm
von TomK
frankd hat geschrieben:Gerade die statistischen Untersuchungen zeigen den Unsinn, daß Radwege gefährlich sind. Aber Statistik kann man auslegen wie man möchte.
Die Radwege an sich senken die gefährlichen Unfallzahlen mit den KFZ, nur die Kreuzungsbereiche mit anderen Verkehrsteilnehmern werden gefährlicher. Auf der Strecke sind Radwege sicherer, nun gilt es, die Kreuzungen zu entschärfen, aber dies wurde auch schon öfter in Beiträgen angemahnt.
Und es gibt genug Radler in der Kurzstrecke, die fahren nur Strecke ohne Kreuzungen, z.B. nur bis zur nächsten Abbiegung und die fahren auch laut Statistik sicherer.
Zeige mir bitte, wie du in der Stadt ohne Kreuzungen oder Einfahrten zu queren fährst. Da kommst du keine 50 Meter weit.
Unfälle im Längsverkehr sind *btw* selten, ganz im Gegensatz zum Querverkehr. Auch ist die Separation keine Garant gegen Unfälle im Längsverkehr.
Mal etwas zu den Begriffen, die gehen hier gerade etwas durcheinander:
1) Fahrbahnbegleitender Radweg, sind alle baulichen Radverkehrsanlagen die nicht Teil der Fahrbahn sind aber Teil einer Straße sind. Hochbordradwege fallen darunter, gemeinsame Geh- und Radwege oder auch durch Leitplanken/Zwischenstreifen getrennte Anlagen auf Fahrbahniveau.
2) Radstreifen, Teil der Fahrbahn, benutzungspflichtig mit durchgezogegener Linie von der KFZ-Fahrspur abmarkiert. KFZ dürfen ihn queren (z.B. zum Parken) aber nicht befahren.
3) Schutzstreifen, Teil der Fahrbahn mit unterbrochener Linie abmarkiert. KFZ dürfen ihn im Ausnahmefall befahren (Ausweichen bei Gegenverkehr)
Radwege müssen nicht zwingend Teil einer Straße sein. In Deutschland kenne ich da aber nur die touristischen Geh- und Radwege in Parks oder außerhalb von Ortschaften.
@Muc-Falter
Ich glaube du spricht eher vom Radstreifen. Beim Radweg ist der Parkstreifen nochmalerweise links (was ihn noch gefährlicher macht, Beifahrer sind sorgloser beim Aussteigen). Eigentlich ist beim Radstreifen noch ein entsprechender Sicherheitsabstand zum Parkstreifen vorgesehen, so das man nicht im Bereich der Autotüren fährt. Leider wird er meist weggelassen

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Re: erhöhte Bußgelder für Radler
Verfasst: Do Feb 07, 2013 1:45 pm
von katapult
frankd, schau dir doch bitte noch mal die Tabelle im ADFC Link an und erklär mir dann noch mal wie man daraus ableiten kann das Radwege einen Sicherheitsgewinn darstellen. Durch permanentes wiederholen wird Unsinn nicht richtiger.
http://www.adfc-weyhe.de/radwege/unfallzahlen.php
Re: erhöhte Bußgelder für Radler
Verfasst: Do Feb 07, 2013 3:15 pm
von frankd
Ich habe von der Strecke gesprochen und da sind die Unfallzahlen zwischen KFZ und Radler aber auch zu Fußgängern deutlich gesunken.
Kreuzungen sind ein anderes Thema, vielleicht gibt es da auch Mischformen oder andere Lösungen wie man ein optimales Überqueren ermöglichen kann. Wie schon gesagt, in Dänemark habe ich da sogar eigene Unterführungen gesehen, ist natürlich baulich und finanziell nur an bestimmten Stellen möglich.
Und ich kenne hier in Berlin genug Straßen, wo nicht alle 50 m eine Kreuzung ist. Gerade Hauptstraßen wurden in den Sechzigern und danach viel von Nebenstraßen entkoppelt, um die Verkehrsdurchlässigkeit zu erhöhen, aber auch um die Wohngebietsstraßen vom Durchgangsverkehr und Schleichwegen freizuhalten. Man muss nur mal die Karl-Marx-Allee vom Alex bis Frankfurter Tor fahren, da sind auf gut 3 km vielleicht 5 Ampelkreuzungen, mehr nicht, hier gibt es auch schon seit 50 Jahren einen Radweg mit langen freien Strecken, der auch sehr gut benutzt wird.
Hier muss man differenzieren und lokale Besonderheiten beachten, bei Wohngebietsstraßen Tempo 30 ist ein Radstreifen wenig problematisch. Mein Ärger sind immer die Hauptstraßen mit starkem LKW- und Versorgungsverkehr, da ist Tempo 50 und mehr angesagt bei hohem Verkehrsaufkommen. Und wie gesagt, viele Hauptstraßen haben relativ wenig Kreuzungen, um autogerecht den Verkehrsfluss zu erhöhen. Und da ist es durchaus möglich, daß da viele Kurzstrecken innerhalb von 2 Kreuzungen durchgeführt werden.
Und dann lieber weniger Kreuzungen, möglich ist es.
Re: erhöhte Bußgelder für Radler
Verfasst: Do Feb 07, 2013 3:34 pm
von Pibach
Muc-Falter hat geschrieben:Und auch Autofahrer argumentieren wie Peter....
Nee.
Ich sehe das Gefährdungspotenzial im Vordergrund, gegen die anderen Faktoren, danach sind dann die Maßnahmen zu priorisieren.
Wobei ich auch für einen effizienten Autoverkehr bin. Grundsätzlich Tempo 30 innerorts ist da zu restriktiv.
katapult hat geschrieben:...erklär mir dann noch mal wie man daraus ableiten kann das Radwege einen Sicherheitsgewinn darstellen. Durch permanentes wiederholen wird Unsinn nicht richtiger.
Also Sicherheitsgewinn in der Geradeausfahrt (auf der Strecke) steht gegenüber der Reduzierung bei Kreuzungen. In der Summe tragen die Kreuzungen in diesen Statistiken aber mehr bei, mit Radweg wird es daher unsicherer. Das ist soweit schon gegenintuitiv und überraschend. Allerdings:
a) warum sind dann Mopeds, die ja auf der Straße fahren im Vergleich wieder unsicherer? Das liegt doch vermutlich an der Fahrerselektion.
b) ziehen die Baumaßnahmen u.U. andere Fahrer/Fahrweisen an, so das der Vorher/Nachher Vergleich etwas hinkt?
c) gefährdet sind wohl überwiegend Ältere oder Kinder, die sehe ich aber nur sehr selten auf der Straße radeln, sondern auf dem Radweg. Vielleicht fahren die ohne Radweg dann andere Strecken - oder gar nicht? Jedenfalls würden für diese Gruppe höhere Bußelder noch weniger Sinn machen als für die "Jungradler".
d) sind es ganz bestimmte Straßen (eher gefährlichere) an denen Radwege gebaut werden. Das verschiebt die Statistik
e) könnte man, indem man an den Kreuzungen baulich etwas ändert, diese entschärfen
f) oder durch gezieltes Verkehrstraining?
g) fährt man mit dem Rad ja oft diverse Nahziele entlang des Bürgersteiges, beispielsweise Kiosk, Aphotheke, Post, Bank, Supermarkt, usw, da immer über die Straße, zw. parkenden Autos durch und Bordsteinkante hoch/runter wäre umständlich