Hab ich so auch nie gesagt. Und hoffe mal auf ein Missverständnis und keine Absicht um sich mit den Argumenten nicht auseinander setzen zu müssen.Und deshalb glaube ich nicht, dass Änderungen im Ordungsrecht das Problem lösen.
Vielleicht werde ich besser verstanden, wenn ich den Hintergrund meiner eigenen Meinung etwas erläutere. Ich habe kein Auto und erledige im Alltag alle Wege mit Fahrrad, zu Fuß und ÖPNV. Nach meiner Wahrnehmung hat der Radfahrer hier (unverdient) ein schlechtes Image. Er wird von den übrigen Bürgern bestenfalls als mobiles Verkehrshindernis wahrgenommen. Neuerdings auch als Rowdi. (pünktlich zu den Sommerferien kommen seit Jahren dann die einschlägigen Presseberichte raus)
Die hiesige Polizei glänzt in vielen Kommunen öffentlichkeitswirksam mehrmals im Jahr mit Aktionen gegen Radfahrer. (Licht/Fahren in der Einkaufszone/ entgegen der Fahrtrichtung und außerhalb des Radweges). Ich habe keine einzige solche Aktion für Radfahrer in Erinnerung. Wo mal andere Verkehrsteilnehmer darauf hingewiesen werden die Radverkehrsanlagen zu respektieren.
Das geht bis in die subtile Wortwahl bei Polizeimeldungen und noch ausgeprägter bei Zeitungsmeldungen. Der Autofahrer „übersieht“ grundsätzlich den Radfahrer in diesen Meldungen. Er missachtet nicht etwa die Vorfahrt oder erzwingt sie sich, nein, er „übersieht“ immer nur. Radfahrer hingegen missachten in solchen Darstellungen die Vorfahrt oder verhalten sich regelwidrig.
Dieser Umgang im Alltag führt m.E. dazu, dass sich viele überhaupt nicht verpflichtet sehen Radfahrer als Verkehsteilnehmer ernst zu nehmen und die Radverkehrsanlagen (egal wie gut oder schlecht sie sind) in irgendeiner Weise zu respektieren. (daher auch mein Beispiel mit dem Rechtsabbieger).
Das gilt für Autofahrer, wie für Fußgänger – im Regelfall steckt nicht einmal bewusste Rücksichtslosigkeit dahinter, sondern simple Gleichgültigkeit. Im Übrigen haben die meisten gemerkt, dass es folgenlos bleibt – da kann man die Regeln auch getrost missachten, die Anderen tun es ja auch. Deshalb stört es mich z.B., wenn Radfahrer selbst den Regelbruch als „Live Style“ propagieren. Damit bestätigen sie ja nur diese negative Rolle des Radfahrers in den Augen der Anderen.
Das Ruhrgebiet ist keine Fahrradfahrerecke (wie das Münsterland oder der Niederrhein).
Die Niederlande sind knapp 60 Km entfernt und dort im Grenzgebiet bummeln ist für Ruhries genauso spannend wie umgekehrt. Nur, dass ich mit dem Rad dort rumkurve. Da begegnen mir die autofahrenden Ruhries dann wieder zuhauf.
Und was soll ich sagen – dort verhalten sie sich vorbildlich.
Sie kennen das Halteverbot auf Radwegen, sie können plötzlich vor dem Abbiegen wieder bremsen – sogar blinken. Und schaffen tatsächlich auch den Schulterblick. Es wäre „zum Schießen komisch“, wenn es nicht so traurig wäre. Da fragt man sich jedoch auch, warum das dann zu Hause nicht klappt. Die baulichen Gegebenheiten sind da nämlich vielfach identisch.
Womit sich die Frage aufdrängt, ob ein wenig mehr Druck hierzulande nicht auch (neben anderen Aktionen für ein faires Miteinander) ein wenig nachhelfen könnte, die Radfahrer auch hier anders wahrzunehmen.