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Ein Urteil zum Kopfschütteln

Alles zum Thema Faltrad/Rad.
Rone
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Re: Ein Urteil zum Kopfschütteln

Beitrag von Rone »

An der Schule meines Großen müssen die Kinder in der dritten Klasse einen Fahrradführerschein (Theorie und Praxis) machen. In der theoretischen Prüfung geht es mit einem Schwerpunkt auch um die Gefahr, die von LKW ausgeht. Vorfahrt/Vorrang hin oder her: Den Kindern wird beigebracht, dass sie dem LKW aus Selbstschutz Vorfahrt (berechtigt oder nicht) gewähren und nicht rechts am LKW vorbei fahren sollen, sondern möglichst immer dahinter stehen bleiben.

Eigentlich wurde auch schon alles gesagt. Statt auf den LKW-Fahrer, der sicher nicht zum Hobby hat, kleine Kinder zu töten, zu zeigen oder das Gericht für eine für mich richtige Entscheidung mit fragwürdiger Urteilsbegründung zu verurteilen, sollte man sich lieber Gedanken machen, wie man den Verkehr sicherer bekommt und auf politischer Bühne aktiv werden.
LKW sind in unserer Gesellschaft unvermeidbar. Wie sonst sollen unsere Lebensmittel in den Supermarkt und unsere Lieferungen von Amazon und Co zu uns kommen?

Ich plädiere für ein bisschen mehr Miteinander und weniger Regelwut.
the_grump
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Re: Ein Urteil zum Kopfschütteln

Beitrag von the_grump »

Miteinander und Gehirn einschalten......
Ich bin nun wirklich Zweiradfahrer aus Überzeugung, mittlerweile hauptsächlich mit dem Rad unterwegs. Bekloppte Dosenfahrer, Mutti's mit SUV, Handy und kreischenden Gören an Bord, gestresste Manager ohne Zeit für's wirkliche Leben, und ja auch hirnlose LKW Piloten - habe sie alle auf der Strasse erlebt, auch in meiner Zeit als Radkurier.
Und trotzdem will ich noch mal kurz eine Lanze für die LKW Fahrer brechen, ohne irgendwie auf das Urteil einzugehen (die lieben Verkehrsrichter sind doch schon lange dazu übergegangen den schwächsten im Verkehr imer mehr Eigenschuld einzuräumen - weil sie ja am Verkehr teilnehmen... :(
Ich habe selbst einen LKW Schein und würde all Euch Theoretikern mal empfehlen eine Unterrichtsstunde in so einer unübersichtlichen Riesenkiste zu machen. Wenn man erstmal selber erlebt hat wie blind man beim Abbiegen nach rechts mit einem 40 Tonner ist denkt man noch zweimal nach bevor man mein t, man müsste da noch unbedingt vorbei, weil man ja ein "Recht" dazu hat....
Klar wäre es besser wenn immer 2 Fahrer im LKW wären, die dann schauen könnten, einweisen etc. Aber da wir alle ja unbedingt in einer Discount Gesellschaft leben wollen, sind die Kosten dafür überhaupt nicht drin. Die Fahrer sind mutterseelen allein, imer unter Zeitdruck und häufig übermüdet.
Und auf der anderen Seite - hirntote Radfahrer die noch nicht mal verstehen können das sie besser mal. Anhalten, selbst wenn ein zweiter Mann sie darum bittet.
War gerade auf einer Produktion in Münster. Die einzige Zufahrt hinter einer Bushaltestelle, mit Querung eines Radweges.
Ich habe dann versucht die Radfahrer freundlich aufzuhalten, nur um angepöbelt zu werden. Und mindestens 10% der Hirnis meinten dann auch nooch an mir vorbeischiessen zu müssen um sich noch am gerade abbiegenden LKW vorbeizudrücken.
Gegen so viel Dummheit wird auch kein Gesetz der Welt jemals helfen....
Kann nur empfehlen- geht davon aus das ein LKW Fahrer beim rechts abbiegen erstmal nach links aussholt und ab da nichts mehr von rechts kommen sieht..... Und wenn ihr schon an der Ampel steht - dann lasst ihn eben vorbei. Besser 3 Minuten zu spät als ein Leben lang tot!!!
Gruß
B-)
Harry
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Re: Ein Urteil zum Kopfschütteln

Beitrag von Harry »

guter beitrag. wäre sonst auch merkwürdig, wenn eine gruppe von sich behauptet alles richtig zu machen und die anderen seien immer schuld. radfahrer benötigen keinen Führerschein, alleine daher sollte man behauptungen bestimmter radler hinterfragen dürfen. mir begegnen täglich radler, die wegen unsicherer Fahrweise eigentlich eine ganze Spur für sich alleine benötigen würden. dass es da nicht zu noch mehr unfällen kommt, könnte imho auch an vorausschauend fahrenden pkw fahrern liegen. manche radler bemerken ihre dusseligkeit nämlich in der regel nich
TomK
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Re: Ein Urteil zum Kopfschütteln

Beitrag von TomK »

Ein Großteil der Fahrradfahrer hat einen Führerschein.
http://de.auto.de/magazin/showArticle/a ... Autofahren

Ein Grundsatz ist, dass mit höherem Gefärdungspotential eine höhere Verantwortung einhergeht. Je mehr Masse man bewegt, um so gefährlicher wird es um so mehr Verantwortung hat man.

Klar ist Verkehrsbildung zum Eigenschutz wichtig, aber ich denke doch das man den Grundsatz von der _rechtlichen_ Seite her nicht aufweichen sollte.
Rone
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Re: Ein Urteil zum Kopfschütteln

Beitrag von Rone »

TomK hat geschrieben:Klar ist Verkehrsbildung zum Eigenschutz wichtig, aber ich denke doch das man den Grundsatz von der _rechtlichen_ Seite her nicht aufweichen sollte.
Das hat doch auch keiner verlangt!

Unfall ist aber Unfall und nicht vorsätzlicher Mord. So schlimm das für die Angehörigen ist, ist und bleibt es ein Unfall. Ich gehe davon aus, dass der LKW-Fahrer eh bis an sein Lebensende gestraft ist. Wer hat schon gerne ein Menschenleben auf dem Gewissen?
Wuppi
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Re: Ein Urteil zum Kopfschütteln

Beitrag von Wuppi »

derMac hat geschrieben:.... den Radverkehr nicht durch verpflichtende Wegführung massenhaft ohne Nachzudenken rechts an Rechtsabbiegern vorbeizuführen. Wenn man geradeausfahrende Autofahrer rechts an rechtsabbiegern vorbeiführen würde, würde die Zahl der Unfälle auch massiv ansteigen.

Mac
Das Prinzip Radweg: http://siggis-seiten.de/a/Prinzip_Radweg.htm :evil:

Gruß Rolf
Motte
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Re: Ein Urteil zum Kopfschütteln

Beitrag von Motte »

Nö, das universelle Prinzip "Vorrang". Wer die Richtung ändert ist wartepflichtig gegenüber denen, die es nicht tun (soweit im Einzelfall nichts anderes angeordnet ist) Oder warum wartest Du sonst beim Linksabbiegen den Gegenverkehr ab? Wird links oder rechts auf eigener Fahrspur in der gleichen Richtung fahrenden Straßenbahnen, Industriebahnen und Kraftomnibussen eigentlich auch so oft der Vorrang genommen? Wenn nein, warum nicht? (kann dann ja kaum am Grundprinzip liegen - eher am eigenen Überlebenswillen)
derMac
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Re: Ein Urteil zum Kopfschütteln

Beitrag von derMac »

Motte hat geschrieben:Nö, das universelle Prinzip "Vorrang". Wer die Richtung ändert ist wartepflichtig gegenüber denen, die es nicht tun (soweit im Einzelfall nichts anderes angeordnet ist)
Nach dieser Denkweise gibt es gar keine schlechte Verkehrsführung sondern ausschließlich Regelverstöße. Das kann man so sehen, man hat ja immer einen Schuldigen, aber die Unfallzahlen werden dadurch nicht reduziert.
Oder warum wartest Du sonst beim Linksabbiegen den Gegenverkehr ab?
Es geht nicht darum, dass man nicht warten will, sondern darum wie gut man die Spur einsehen kann. Und beim Gegenverkehr ist das nun mal viel einfacher.
Wird links oder rechts auf eigener Fahrspur in der gleichen Richtung fahrenden Straßenbahnen, Industriebahnen und Kraftomnibussen eigentlich auch so oft der Vorrang genommen? Wenn nein, warum nicht? (kann dann ja kaum am Grundprinzip liegen - eher am eigenen Überlebenswillen)
Ich kenn dazu keine Statistiken, aber wenn Bussspuren, Straßenbahnen und ähnliches entgegen der üblichen "Abbiegelogik" geführt werden, bekommen sie sehr häufig eigene Ampeln. Ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass man die Kosten dafür auf sich nimmt, obwohl es keinen Grund gibt.

Mac
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Re: Ein Urteil zum Kopfschütteln

Beitrag von Motte »

Natürlich sollte man die Verkehrsführung so gestalten, dass die Einhaltung der Regeln leichter fällt.
Daher finde ich z.B. verschwenkende Radwege oder Parkstreifen/Grünstreifen zwischen Radweg und Fahrbahn an solchen Kreuzungen total unsinnig. Mir kommt bei solchen Einwänden der "menschliche Faktor" nur zu kurz.

Bei uns gibt es zwei Grundregeln.
Der Schnelle fährt links, der Langsame rechts.
Wenn Fahrzeuge im Verkehr aufeinandertreffen, dann gilt die Vorfahrt für den kreuzenden Verkehr, der Vorrang für den Begegnungsverkehr. Es hat grundsätzlich erst einmal der Vorfahrt/Vorrang, der die Richtung beibehält. (Abweichungen davon werden jeweils gesondert geregelt)
Diese Regel müsste eigentlich den Fahrzeugführern in "Fleisch und Blut" übergehen, wie man so schön sagt. Genau das passiert aber nicht (wenn die Prüfungsstunde vorbei ist).

Logischerweise nehmen viele Radweggegner diese Regel auf`s Korn, weil dort viele Unfälle geschehen. Sie ist aber in keinem Fall ungewöhnlich. Sie ist unfallträchtig, weil der Schnellere häufig nichts sieht und seinen Vorteil nicht aufgeben möchte. Nach meiner Meinung reicht es, baulich eine Sichtbeziehung herzustellen und die Leute dazu zu verdonnern diese Regel auch einzuhalten. Auch mit einer Radwegeführung auf der Fahrbahn (oder gar keiner Führung) ändert sich nur wenig. Denn der Autofahrer ignoriert in solchen Fällen häufig jede Fahrbahnmarkierung bzw. wird (um seinen Geschwindigkeitsvorteil nicht aufgeben zu müssen) den Radfahrer dann eben beim Einschwenken in die Abbiegespur schneiden.

Dass es hier eher um (manchmal unbewusste) Machtausübung geht, kannst Du gut daran erkennen, wenn es an einer beampelten Kreuzung eine Fahrspur für Geradeaus + Rechts gibt und an der rechten Seite mit einem fetten durchgehenden Strich auf der Fahrbahn noch ein Radweg markiert ist. Zumindest im Ruhrgebiet wird die Mehrzahl der Rechtsabbieger dann auf dem Radweg stehen und auf Grün warten. Sie blockieren also eine Sonderspur, um sich beim Abbiegen den Vorrang zu erzwingen. Solange man dieses Verhalten duldet, wüsste ich nicht, was man baulich noch verändern sollte, um die Situation für die Radfahrer an diesen Stellen grundlegend zu verbessern.

Das scheint mir "irgendwie" deutsch zu sein. Wir fragen nie nach dem tieferen Grund für ein Verhalten und wie wir das durch Aufklärung/gezielte Hilfen aber eben in letzter Konsequenz über auch Polizei- und Ordnungsrecht ändern können, sondern wir stopfen Geld ins System um etwas anders zu gestalten und hoffen, dass sich das Verhalten alleine dadurch ändert.
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Re: Ein Urteil zum Kopfschütteln

Beitrag von derMac »

Motte hat geschrieben:Natürlich sollte man die Verkehrsführung so gestalten, dass die Einhaltung der Regeln leichter fällt.
Daher finde ich z.B. verschwenkende Radwege oder Parkstreifen/Grünstreifen zwischen Radweg und Fahrbahn an solchen Kreuzungen total unsinnig. Mir kommt bei solchen Einwänden der "menschliche Faktor" nur zu kurz.
Es ging bei meinem Einwand gerade um den menschlichen Faktor.
Bei uns gibt es zwei Grundregeln.
Der Schnelle fährt links, der Langsame rechts.
Diese Grundregel gilt an Kreuzungen explizit nicht. Da hat man sich einzuordnen. Einzige Ausnahme sind Sonderspuren. Und deshalb bewegen sich Radfahrer auf Radwegen eben nicht "normal", sondern als Ausnahme.
Logischerweise nehmen viele Radweggegner diese Regel auf`s Korn, weil dort viele Unfälle geschehen. Sie ist aber in keinem Fall ungewöhnlich. Sie ist unfallträchtig, weil der Schnellere häufig nichts sieht und seinen Vorteil nicht aufgeben möchte. Nach meiner Meinung reicht es, baulich eine Sichtbeziehung herzustellen und die Leute dazu zu verdonnern diese Regel auch einzuhalten. Auch mit einer Radwegeführung auf der Fahrbahn (oder gar keiner Führung) ändert sich nur wenig.
Doch, natürlich ändert sich was, und das nachweislich. Die Zahl der Unfälle geht zurück. Es geht doch nicht drum irgendwelche Regeln auf Korn zu nehmen sondern darum, die Unfallzahlen zu reduzieren.
Dass es hier eher um (manchmal unbewusste) Machtausübung geht, kannst Du gut daran erkennen, wenn es an einer beampelten Kreuzung eine Fahrspur für Geradeaus + Rechts gibt und an der rechten Seite mit einem fetten durchgehenden Strich auf der Fahrbahn noch ein Radweg markiert ist. Zumindest im Ruhrgebiet wird die Mehrzahl der Rechtsabbieger dann auf dem Radweg stehen und auf Grün warten. Sie blockieren also eine Sonderspur, um sich beim Abbiegen den Vorrang zu erzwingen. Solange man dieses Verhalten duldet, wüsste ich nicht, was man baulich noch verändern sollte, um die Situation für die Radfahrer an diesen Stellen grundlegend zu verbessern.
Die Situation der Radfahrer ändert sich langfristig, indem es möglichst viele davon gibt und sie vom Gesetz gleichberechtigt behandelt werden. Bauliche Maßnahmen bringen da höchstens etwas, wenn sie den Radverkehr gezielt fördern und Law and Order hat noch nie irgendwo auf der Welt wirklich funktioniert. Dass es rücksichtslose Autofahrer gibt hat mit Radfahrern auch nur bedingt zu tun, die sind auch anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber rücksichtslos.
Das scheint mir "irgendwie" deutsch zu sein. Wir fragen nie nach dem tieferen Grund für ein Verhalten und wie wir das durch Aufklärung/gezielte Hilfen aber eben in letzter Konsequenz über auch Polizei- und Ordnungsrecht ändern können, sondern wir stopfen Geld ins System um etwas anders zu gestalten und hoffen, dass sich das Verhalten alleine dadurch ändert.
Doch, ich tue genau das, ich frage nach dem tieferen Grund. Und deshalb glaube ich nicht, dass Änderungen im Ordungsrecht das Problem lösen.

Mac
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