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TUTORIAL: Messung der Kettenlängung (Modifizierter Meßschieber)

Sattel, Reifen, Anhänger, Bekleidung...
EmilEmil
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TUTORIAL: Messung der Kettenlängung (Modifizierter Meßschieber)

Beitrag von EmilEmil » Mi 25. Mär 2020, 11:14

Messung der Kettenlängung mittels modifiziertem Meßschieber.
Beitrag von EmilEmil » 25.03.2020
Die Aufgabe, eine Fahrradkette so rechtzeitig zu wechseln, daß einmal die Kette möglichst lange gefahren wird, zum Anderem die zugehörigen Ritzel und das (die) Kettenbla(ä)tt(er) keinem frühzeitigen Verschleiß ausgesetzt sind, kann nur der Radler leisten, der über den Zustand seiner Kette Bescheid weiß.
Durch den Abrieb zwischen den Lagerkragen und den Nietbolzen verschiebt sich die Achse der Nietbolzen unter Last so, daß dle Innenlaschen-Nietbolzen auseinandergerückt erscheinen. Die Achsabstände der Außen-Laschen behalten ihren konstanten Wert.
Bei einer Messung macht es Sinn, diesen Unterschied in den Achsabständen zu berücksichtigen. Eine repräsentative Messung der Längung über mehrere Laschen sollte stets gleichviel Innenlaschen wie Außenlaschen enthalten. Bei Nutzung eines 150 [mm] Meßchiebers sind deshalb 5 Innenlaschen plus 5 Außenlaschen angebracht (Messung über 10 Gelenke). Für eine Kettenschaltungs-Kette ist ein "kritischer" Orientierungswert Erfahrungs-gemäß mit 0,1 [mm] Längung/Gelenk gegeben. Das ist bei 10 Gelenken eine Längung von 127 [mm] auf 128 [mm], Differenz = 1,0 [mm}. Entsprechend 0,8 % (Leicht gerundet). Bei Einfach-Kettentrieben (Z B. Getriebenaben) hat das Ritzel mehr Zähne (Polygon-Effekt !) und höhere Zahnköpfe. Eine 2- bis 3-fache Längung je Gelenk ist da akzeptabel.
Eine zu stark gelängte Kette benötigt nach dem Einschwenken und Auflaufen auf ein Zahnrad einen größeren Durchmesser (Sie "klettert" auf den Zähnen nach außen !). Bei zu viel Länge springt die Kette über die Zahnköpfe.
Die Abfolge (Konstantes Kettenglied-Gelängtes Kettenglied-usw.) erschwert die Sicht auf diesen Vorgang. Das soll hier nicht weiter thematisiert werden.
Zunächst möchte ich Grundsätzliches zur Messung dieser Ketten-Längung beitragen. Nach dem Gesagten ist es sinnvoll, eine Kette vor der Messung zu reinigen, da die Abrieb-Partikel die Messung beeinflussen (Verfälschen !). Darüberhinaus sollte die Kette mittels einer Hilfs-Vorrichtung so gespannt (auseinander gezogen werden) werden, daß die größte Länge vorhanden ist und richtig gemessen werden kann.
Das folgende BILD zeigt ein einfach herstellbares Hilfsmittel: (Benötigt werden 1 Gewindestange M6 ca. 200 [mm], 2 Ringösen M4, Unterlegscheiben, Stopmuttern, 2 Rändelmuttern M4 und weitere Stopmuttern, 2 Rändelmuttern M6).
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BILD KETTENHILFE :
Bild
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Die Kettenhilfe zieht die Kette auseinander, das ist nützlich beim Messen aber auch beim Öffnen und Schließen der Kette sowie beim Probe-weisen Auflegen zur Feststellung einer Kürzungslänge.
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BILD KETTENHILFE "KÜRZUNGSLÄNGE"
Bild
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Für die Anwendung der Kettenlängen-Messung ist ein käuflicher Meßschieber (Sinnvoll: 150 [mm] Meßbereich) nicht gut zu handhaben. Denn die Innenbreite der heute gebräuchlichen Ketten (9-,10-,11-,12-fach) ist mit 2,18 [mm] zu schmal für die Taster des Meßschiebers, deren Dicke meist 3 [mm] beträgt. Es empfiehlt sich z B. die Außentaster in der Dicke auf 2 [mm] zu reduzieren, um innerhalb der Lücken von Außen- oder Innen-Laschen messen zu können. Die Breite der Außentaster sollte ebenfalls reduziert werden (Z B. auf 3 [mm]), da die Länge einer Lücke innerhalb der Kettenlaschen > = 5 [mm] beträgt, und der Taster so tief tauchen sollte, um die breiteste Stelle der Rollen zu erfassen.
Das folgende Bilde zeigt die Bearbeitung (Reduzierung der Breite auf 3 [mm]) mittels Z-Y-Bohrständer und einer Trennscheibe. Die Reduzierung auf eine Dicke 2 [mm] wird nicht gezeigt !
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BILD BEARBEITUNG MEßSCHIEBER
Bild
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BILD MEßSCHIEBER NACH BEARBEITUNG
Bild
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Nach der Bearbeitung passt der Meßschieber mit seinen Außentastern in die Lücken zwischen den Rollen der Kette. Ich Nutze das aus, um den Außendurchmesser einer Rolle zu bestimmen:
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BILD MESSUNG DES ROLLENDURCHMESSERS
Bild
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Nach der Messung des Durchmessers einer Rolle wird die ZERO-Taste gedrückt und ein neuer Nullpunkt festgelegt. Bei einer folgenden Messung wird dadurch der Durchmesser einer Rolle vom gemessenen Ergebnis abgezogen und die Anzeige gibt den Wert für das Maß über 10 Gelenke aus. Zur Erläuterung wird daraufhin gewiesen, daß 10 Strecken gemessen werden, die aber zwischen dem "Nullten" Gelenk und dem 10. Gelenk liegen. Das folgende Bild zeigt die Anwendung für die Messung der Kettenlängung. Zu erkennen ist, daß eine Messung mit den Außentastern des digitalen Meßschiebers innerhalb der Laschen der Kette vorgenommen wird. Die Messung zeigt 127.10 [mm]. Es handelt sich um eine 11-fach Kette mit 1000 [km] Laufleistung. Eine evtl. vorhandene Ausgangslänge mit Nenn-Untermaß (z B. 126,80 [mm]) wurde nicht gemessen. Das es so ein Untermaß (Bei neuen Ketten !) gibt, zeigt das übernächste Bild von einer anderen Kette.
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BILD MESSUNG DER KETTENLÄNGUNG
Bild
…………...…...………...……...…............…………………….
Das nächste Bild zeigt eine auseinander gezogene Kette mit einer markierten Messtrecke (Diesmal an einer vom Rad abgenommenen Kette).
Die linke Markierung bezeichnet das "Nullte" Gelenk und die rechte das 10-Gelenk. Die Meßstrecke geht über die Länge von 10 Abständen (10 Kettenteilungen). Man kann sich herleiten, daß alle Rollen Links von einem Nietbolzen (Achse !) auf Block mit den Lagerkragen und den Nietbolzen zusammengeschoben sind, während Rechts von dem Bolzen das gesamte Spiel (Design plus Verschleiß !) konzentriert wird. Jede Rolle ist gegenüber der Achse leicht in Richtung rechte Seite verschoben. Wenn nun über eine Länge von 10 Teilungen ( Nennmaß = 127,00 [mm], "10 Gelenke") gemessen werden soll, kann mit den Außentastern der Außen-Radius der Rolle links vom "Nullten" Gelenk und der Außen-Radius rechts von der 10. Rolle gemessen werden. Der Wert der Längung ist um einen Rollen-Durchmesser zu groß. Der Rollen-Außendurchmesser wird, um zum richtigen Wert zu gelangen, abgezogen (Anwendung der Zero-Taste !)
Diese verschiebt den Nullpunkt nach rechts (Z B. um plus 7,71 [mm]). Alle weiteren Messungen beziehen sich auf diesen neuen Nullpunkt. Jeder Rollenverschleiß spielt dann gar keine Rolle, sofern die Rolle am "Nullten" Punkt und am 10.-Punkt in den Dimensionen keine relativen Differenzen aufweisen. Diese Annahme ist einigermaßen realistisch wie man durch Messung der Rollen-Durchmesser, und Vergleich der betreffenden Rollen feststellen kann.
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BILD AUSEINANDER GEZOGENE KETTE MIT MARKIERTER MEßSTRECKE
Bild
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Banal gesagt: Die Rolle ist außermittig zur Bolzen-Achse (Links ist der kleinere Abstand, rechts der größere). Und das gilt für alle Rollen in dem Bereich, der durch die Kettenhilfe gespannt wird. Für diesen Bereich (11 Gelenke (Rollen), das "nullte" Gelenk wird für diesen Bereich mitgezählt ") werden die Rollen in ihren Dimensionen als identisch angesehen (Fertigungs-Toleranzen, Verschleiß-Toleranzen werden ignoriert).
Für die Messung der 10-Gelenk-Länge über die Rollen mit den Außentastern am Punkt Gelenk "Null" und am Punkt Gelenk 10 wird ein Rollen-Außendurchmesser automatisch abgezogen. Rollen- oder anderer Verschleiß beeinflußt das Ergebnis nicht oder nur ganz marginal..
Zur Auswertung bzw. Anzeige der Werte auf dem digitalen Meßschieber ist zu sagen: Die Werte auf "Hundertstel" sind nicht reproduzierbar. Ich gehe deshalb von Werten in Zehntel mit 5 Hundertstel Zwischen-Werten aus. Ein Verschleißmaß von 0,1 [mm]/Gelenk heißt bei 10 Gelenken 1,0 [mm], also eine Längung von 127,0 [mm] auf 128 [mm]. Ich halte da Analog-Meßschieber-Genauigkeit für angemessen. Die Messung soll die Vorstellung des Verschleiß-Geschehens unterstützen, nicht Werte für die Längung der Kette auf Hundertstel-Millimeter genau liefern.
Diese Meß-Methode hat sich bisher bei mir bewährt. Denn sie ist anschaulich und von der Handhabung unkompliziert und kann jederzeit per Kopfrechnung nachvollzogen werden.

MfG EmilEmil

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Re: TUTORIAL: Messung der Kettenlängung (Modifizierter Meßschieber)

Beitrag von EmilEmil » So 20. Dez 2020, 15:37

An meinem Fitnessrad habe ich nun den KM-Stand 3000 erreicht. Diese Kilometer teilen sich zu 1000 [km] auf die 10-fach Version der Kettenschaltung (Shimano ZEE Modell) und auf 2000 [km] 11-fach Schaltung (Davon 1000 [km] ZEE-Schaltung 11-fach betrieben sowie 1000 [km] Deore XT-Schaltung 11-fach). Die 10-fach hatte natürlich eine eigene 10-fach Kette , die 11-fach Versionen hatten eine 11-fach Kette, die also die ganzen 2000 [km] mitgemacht hat (Zur Erläuterung: Die Kette weiß nicht, daß das Schaltwerk gewechselt wurde).

Länge über 10 Glieder original vor Einbau: 127,0 [mm] ( ==> Sollwert des Herstellers !)
Die Messung (2000 [km]) ergab:
11-fach Kette (Connex 11S0) über 10-Glieder = 127,2 [mm] , Verschleiß/Glied = 0,02 [mm]/Glied nach 2000 [km]. Röllchen-Durchmesser 7,70 [mm].
Als kritisches Verschleißmaß einer Schaltungskette wird = 0,1 [mm]/Glied (Kette Stahl, Ritzel Stahl) angesehen. Für Ritzel-Pakete aus Aluminium ist 0,075 [mm]/Glied in der Literatur ein gängiges Verschleißmaß. Ich fahre aber keine Ritzel aus Aluminium., kann daher auch Nichts z.B. über gemischte Bestückung sagen. Der Werkstoff beim Kettenblatt scheint keine Rolle zu spielen. Üblich geht man davon aus, daß bei größerer Längung die Kette über die kleinen Ritzel rutscht.
Natürlich kann man diesen Verschleiß extrapolieren:
Verschleiß/Glied = 0,02 [mm]/Glied nach 2000 [km] ergeben hochgerechnet
Verschleiß/Glied = 0,10 [mm]/Glied nach 10000 [km] .
Das ist der Wert, den ich auch in meiner Verschleiß-Abschätzung zu Grunde gelegt habe.

Bild 1: Chainglider Open am Fitnessrad
Bild

Bild 2 Chainglider Opened (Geöffneter Chainglider in Progress) am Fitnessrad
Bild

Bild 3 Chainglider Opened (Geöffneter Chainglider; finale Version) am Fitnessrad
Bild

Mit den gekauften Chainglider Open (2 Stück) gab es einige Probleme, die evtl. erklären, warum dieser nicht so häufig verbaut wird, wie es dem Nutzen entspricht, den man aus seinem Einsatz ziehen könnte. Da Einfach-Schaltungen seit 2010 auf dem Vormarsch und heute 12-fach Schaltungen bezahlbar sind, wäre gerade bei einem 12-fach Faltrad ein Chainglider Open eigentlich angebracht. Das Ganze ist schon ein eigenes Thema, das sich wegen der momentanen Probleme mit der Foren-Software nicht darstellen läßt.
Da ich aber meine Faltrad-Hersteller kenne (die Käufer aber auch !) wird sich da auf der Angebotsseite nicht so schnell etwas tun. Das durchschnittlich angebotene Faltrad wird daher auch in nächster Zeit die Bau-Markt Gurke mit einer 6-fach Tourney-Schaltung aus der Schraubkranz-Ära bleiben (Mein teures Lieblings-Faltrad von einer Insel hat ja auch eine 6-Gang-Schaltung, naja, Hauptsache "sechs" ).

MfG EmilEmil

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Re: TUTORIAL: Messung der Kettenlängung (Modifizierter Meßschieber)

Beitrag von EmilEmil » Do 15. Jul 2021, 14:13

Da ich gerade an meinem Trekkingrad rummache: Der Kilometer-Stand ist 20400 [km].
Die Kette ist abgebaut (Ich will die Nabe säubern und neufetten). Natürlich wird die Längung der Kette gemessen: Ein Kettenröllchen hat neu 7.61 [mm] Durchmesser (Ungebrauchte Reststücke sind noch vorhanden !). Die Messung des Durchmessers hat nach 20 400 [km] 7.50 [mm] ergeben. Das ist etwa ein Mittelwert der 11 Röllchen auf der Längungs-Meßstrecke (10 Glieder !). Die Röllchen Durchmesser schwanken zwischen 7.39 [mm] und 7.61 [m]
Nach "Nullung" des digitalen Meßschiebers und Messung liest man ab 128,35 [mm] : Bilder 1 und 2:
Bild 1:
Bild
Bild 2:
Bild

Die Längung ist daher 128.35 minus 127.00 [mm] = 1.35 [mm]
Bei 100 Kettengliedern sind das 13.5/1270.0 = 1.06 %
Chainglider und gute Kettenpflege (Alle 2000 [km] Abrieb im Benzin-Bad ausspülen und neufetten, dazwischen bei jeweils 700 [km] und 1400 [km] nachfetten mit Dynamic Kettenschmierstoff) haben sich bewährt. Nicht zuviel Pflege-Aufwand bei trotzdem guter Effizienz des Kettentriebs sind so, wie ich es mir vorgestellt habe.
Die im Fokus stehenden 25 000 [km] Laufleistung sind mit Sicherheit erreichbar, wenn ich nicht vorher wegen des zu kurzen Verschiebe-Schlitzes (Eine "besondere" konstruktive Leistung der unendlichen Kompetenz des Rahmen-Herstellers !) eine andere Kette auflege. Ich hab da noch eine 10-fach Connex-Kette mit ca. 1000 [km] , die noch keinen meßbaren Verschleiß aufweist.
Einfach die Kette um 2 Glieder kürzen geht noch nicht, da dafür die Längung 1 Ketten-Teilung betragen müßte.

MfG EmilEmil

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Re: TUTORIAL: Messung der Kettenlängung (Modifizierter Meßschieber)

Beitrag von EmilEmil » Do 15. Jul 2021, 19:48

Der letzte Satz ist falsch, mindestens mißverständlich: Ich hab jetzt nochmal nachgezählt: Die Kette hat genau 100 Glieder, die Längung durch Verschleiß ist (hochgerechnet) 10 x 1.35 [mm] = 13.5 [mm]. Da immer um 2 Teilungen (Außenglied + Innenglied !)gekürzt werden muß, muß auch die Längung ca. 2 Teilungen (2 x 12.7 [mm] = 25.4 [mm]) betragen, weil es Last-Trumm und Leer-Trumm gibt, die nur eine geringe Winkelabweichung zur Horizontalen haben. Bei Herausnahme von zwei Kettengliedern verkürzt sich der Abstand der Hinterachse von der Tretlagerachse um ca. 12.7 [mm]. Mit dem Achsdurchmesser von 10 [mm] ergibt sich dann eine Mindest-Schlitzlänge von 22.7 [mm]. Da wegen unterschiedlichen Kettenradzähnen weiterer Platz im Schlitz benötigt wird, sollte die Schlitzlänge deshalb nochmal ca. 12.7 [mm] Ausgleichs-Verschiebung vorhalten. Die Schlitzlänge beläuft sich dann mindestens auf ca. 35 [mm].
Da man die Beiträge im Moment nicht editieren kann, hier nun eine verbesserte Version des letzten Satzes meines vorherigen Beitrags. Die Formulierung dieses Sachverhaltes ist nicht so ganz einfach, obwohl es nur um bestimmte (einfache) Bauraum-Betrachtungen geht.

Mfg EmilEmil

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Re: TUTORIAL: Messung der Kettenlängung (Modifizierter Meßschieber)

Beitrag von Ch.Bacca » Sa 17. Jul 2021, 08:41

EmilEmil hat geschrieben:
Do 15. Jul 2021, 14:13
... Die Röllchen Durchmesser schwanken zwischen 7.39 [mm] und 7.61 [m] ...

Das ist eine erstaunlich große Bandbreite. Kann es sein, dass die Kettenlänge in einem ungünstigen Verhältnis zum Kettenblatt steht? So würden die einzelnen Röllchen jeweils zyklisch immer der gleichen Last ausgesetzt werden.

Bei Deiner Messmethode verfälscht das Spiel der Röllchen das Messergebnis. Bei der Außenmessung wird ein tendenziell zu kleiner Verschleiß angezeigt, bei der Innenmessung ein zu großer.

EmilEmil
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Re: TUTORIAL: Messung der Kettenlängung (Modifizierter Meßschieber)

Beitrag von EmilEmil » Sa 17. Jul 2021, 09:31

Ich bin offenbar (?) der erste, der überhaupt mal die Röllchen-Durchmesser gemessen hat. Um den Einfluß des Röllchen-Verschleißes auszuschalten, muß man ja nur die beiden äußeren Röllchen (das "Nullte" und das 10-te) messen und den Mittelwert (Das ist bei der angeführten Messung geschehen !) nehmen. Den kann man dann manuell in dem Meßschieber einstellen (Anschließend die gleiche Prozedur wie geschrieben) und hat dann ein ziemlich genaues Ergebnis.
Es kommt bei einer "Routine"-Messung mit Meßschieber nicht darauf an, auf Hundertstel-genaue Ergebnisse zu haben, sondern, es ist sinnvoll, etwa zu wissen, wie weit der Verschleiß (die Längung) der Kette fortgeschritten ist.
Im Vergleich zu den Ketten-Kalibern ist zu sagen: Diese hängen auch von dem Röllchen-Verschleiß ab, nur kann der Benutzer gar nicht erkennen, in wie weit ! Denn der Kaliber-Hersteller muß in diesem Punkt bei der Herstellung irgendeinen Wert zugrunde legen. Wie weit das einigermaßen korrekt sein kann, ist mir schleierhaft. Denn der Kaliber muß ja auch bei unterschiedlichem Röllchen-Verschleiß gleich "gut" funktionieren. Das ist eher gleich "schlecht" als gleich gut. Und bei verschiedenem Ritzel-Material (Stahl vs Alu) bleibt das Problem bestehen.
Für Alle, die meinen, einen Kaliber für Kettenschaltung auch für Getriebenabe benutzen zu müssen (Motto "Rohloff" ist gleich "Rohloff" oder Ä.), weise ich nochmal daraufhin, daß Getriebenaben-Ketten mit Sicherheit 2- bis 3-fach länger gefahren werden können (Die müssen nicht schalten, haben üblich keinen Schräglauf und höhere Zähne !)

MfG EmilEmiil

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Re: TUTORIAL: Messung der Kettenlängung (Modifizierter Meßschieber)

Beitrag von EmilEmil » So 18. Jul 2021, 10:05

Zitat @Ch.Bacca: "Das ist eine erstaunlich große Bandbreite. Kann es sein, dass die Kettenlänge in einem ungünstigen Verhältnis zum Kettenblatt steht? So würden die einzelnen Röllchen jeweils zyklisch immer der gleichen Last ausgesetzt werden".
Das ist durchaus möglich, ich habe schön gelesen. daß sich einige Radler darüber Gedanken gemacht haben. Ich denke aber nicht darüber nach, weil die Funktion des Kettentriebs im Vergleich wichtiger ist als ein "optimierter" Verschleiß.
Bei allen Auslegungen eines Kettentriebs für unterschiedliche Laufrad-Durchmesser , die ich machen mußte, hatte die Auslegung der Entfaltung (Ablauflänge des Laufrades auf der Fahrbahn bei einer Kurbel-Umdrehung ) immer Priorität gegenüber möglichen Verschleiß-Überlegungen. Es ist wegen der zumeist (406-er, 305-er !) kleinen Laufräder schwierig genug, eine maximale Entfaltung von ca. 9.00 [m] zu erreichen. Bei reiner Kettenschaltung geht das nicht ohne große Kettenblätter (> 53-er ), evtl. kleinere Ritzel als 11-er mit einigen technologischen Nachteilen. Viel Spielraum, den Verschleiß zu optimieren, bleibt da nicht. Ganz aus dem Fokus verlieren, sollte man den Verschleiß nicht.
Der Verschleiß ist in viel größerem Maße von der Pflege (Radler-Charakter ?), Rad Ausrüstung (Chainglider (Open oder Closett ?) und den Umwelt-Bedingungen der Fahrbahn abhängig.
Ich hab übrigens die oben bei 20 400 [km] gemessene 808-Connex-Kette (die ja in der Laufstrecke für nochmal 15 000 [km] gut sein sollte, durch eine 10-fach Connes-Kette mit kaum meßbarer Längung (ca. 0.05 [mm] auf 1000 [km] Fahrstrecke) ersetzt, weil wegen des kurzen Ausfallende-Schlitzes (25 [mm] !) diese Kette eine Konfiguration der Reaktionsscheiben mit der Nase nach hinten zuläßt. Das ist technisch richtiger (Strichwort Biegemomente !). Die 10-fach Kette (aus meinem Fundus) paßt ohne weiteres auf die SRAM i-Motion9 Ritzel (Wanddicke im Zahnbereich: 1,98 [mm]) sowie auf das Kettenblatt (Wanddicke im Zahnbereich: 1,98 [mm]).

MfG EmilEmil

Ch.Bacca
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Re: TUTORIAL: Messung der Kettenlängung (Modifizierter Meßschieber)

Beitrag von Ch.Bacca » Mo 19. Jul 2021, 06:59

EmilEmil hat geschrieben:
So 18. Jul 2021, 10:05
... ich habe schön gelesen. daß sich einige Radler darüber Gedanken gemacht haben. ...

Ich nicht. Der Gedanke kam mir erst beim Lesen über Deine unterschiedlichen Röllchendurchmesser. Mit Fertigungstoleranzen ist das nicht zu erklären. Wie auch immer, mein Kettenblatt (56) wandert nach jedem Kettenumlauf (110 Glieder) um zwei Zähne weiter. Ein Verhältnis von 112 zu 56 wäre ungünstig.

Ich hingegen mache mir nie Gedanken darüber, inwieweit die Kettenlängung über die Länge des Schlitzes im Ausfallende kompensiert werden kann, weil es sinnfrei wäre. Meine Kettenschaltungsräder haben diesen Schlitz nicht; die Position der Achse ist fix. Die Kettenlängung muss das Schaltwerk mit dem Spanner kompensieren. Funktioniert auch. Und das sogar mit meinem winzigen, missbrauchten Neos-Schaltwerk, das die Kapazität von 23 eigentlich nicht hat (original 20?). Die Rechnerei um die Schlitzlänge kann ich nur schulterzuckend bestaunen.

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Re: TUTORIAL: Messung der Kettenlängung (Modifizierter Meßschieber)

Beitrag von EmilEmil » Mo 19. Jul 2021, 08:58

Mach Dich nicht kleiner als Du bist !
Natürlich sind Betrachtungen über die Schlitzlänge nur für Getriebenaben/Einfach-Kettentriebe relevant. Kettenschaltungs-Rahmen haben heute immer ein "vertikales" Ausfallende (Formschluß statt Kraftschluß !) und der Feder-betätigte Spanner vom Schaltwerk sorgt auch (neben den infolge Variation der Kettenräder-Zähnezahlen sich einstellenden Längen) für den zusätzlichen Längen-Ausgleich durch Abrieb der Kette. Der Spanner-Ausgleich für die Variation der Kettenräder (ca. 25 bis 47 Zähne (?), incl. zusätzlichem Ausgleich wegen Hinterbau-Federung) ist viel größer als der Ausgleich wegen Abrieb.
Und bei meinen Ergebnissen ist zu beachten, daß eine Nabenschaltungs-Kette (Connex 808) mit gut
20 000 [km] Laufstrecke gemessen wurde. Hinweis: Normalerweise haben die Ausfallende-Verschiebe-Schlitze dafür 35 bis 40 [mm] Länge. Kettenschaltungs-Ketten erreichen etwa bis max. 12 000 [km] Laufstrecke. Der durch Abriebs verursachte Längenausgleich (Austausch der Kette bei schlechtem Schalt- und Antriebs-Verhalten) ist ca. 0.8%, was bei 115 Gliedern ca. 9.2 [mm][ entspricht. Das ist weniger als eine Kettenteilung (12.7 [mm]).
Bild: Stillgelegter Verschiebeschlitz (Folding*Star)
Bild
Der von den Oma-Duck-Rädern (Hollandrädern ?) bekannte Kettensteller (Fälschlich: Kettenspanner genannt !) eliminiert die Schwachstelle (Fehlkonstruktion !): Klemmung der Nabenachse über ein (zu kleines) Kreissegment, das mit einer Verzahnung (Sowohl bei SRAM- als auch Shimano-Reaktionsscheiben der Getriebenaben !) etwas verbessert wurde, im Schlitz mit großem Andrehmoment (~40 [Nm]). Schon beim Einbau der Fehlkonstruktion bekommt man da die Krätze.
Typischerweise ist das Trägheits-Verhalten der Hersteller so verfestigt, daß der gemeine Radler nicht auf die Eliminierung von Schwachstellen hoffen sollte, solange der Hersteller es irgendwie vermeiden kann. CarryOver-Ration statt Innovation.

MfG EmilEmil

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Re: TUTORIAL: Messung der Kettenlängung (Modifizierter Meßschieber)

Beitrag von EmilEmil » Mo 19. Jul 2021, 11:49

Ein Nachtrag: Die Röllchen sorgen beim Einschwenken der Kette auf ein Kettenrad für "Rollreibung" zwischen Zahnprofil und Kettengliedern. "Rollreibung" ist ein Kunstbegriff, der die Tatsache beschreibt, daß es Abrollen von Kreis-förmigen Oberflächen (u.U. auch andere Konturen) auf entsprechenden Gegenflächen (Z.B. Zylinderflächen auf einer ebenen Oberfläche oder Zylinderfläche mit anderer (beliebiger) Kontur gibt. Der Idealfall wäre "Reines Rollen" (Die Berührungskurve der Rollpartner wird von Haftreibung gesteuert). In der Wirklichkeit gibt es immer eine kleine Gleitreibung (Stichwort: Dissipative Energie !), auch wenn theoretisch von der Geometrie reines Rollen möglich wäre. Bei "Reinem Rollen" wäre kein Widerstand vorhanden. Gleitreibung heißt, es gibt immer auch Widerstand. Da bei der Gleitreibung in den üblichen Fällen die Widerstands-Kraft sich als Fw = nü x Fn (nü = Widerstands-Beiwert, Fn = Normalkraft) beschreiben läßt, ist auch klar, daß man die "Rollreibungskraft" ebenso wie eine Gleitreibungskraft als Froll = nü x Fn (nü = Widerstands-Beiwert, Fn = Normalkraft) beschreiben kann (nü für Gleitreibung hat einen anderen Wert als nü für Rollreibung). Man hat dann unmittelbar die Möglichkeit, die in vielen Fällen "schädlichen" Anteile (Widerstände) beider Vorgänge zu vergleichen (Es sei bei der Gleitreibung der Anteil 100 % (Trivial !)) , dann ist bei Rollreibung abhängig vom Anteil des reinen Rollens der Wert von nü entsprechend geringer (Z.B bei Lagern Gleitlager vs Wälzlager = 100% vs 30 %).
Hinweis: Der Begriff Rollreibung wird auch für Laufräder von Fahrzeugen verwendet, obwohl der physikalische Vorgang viel komplexer ist. Experimente legen nahe, daß man die gleiche Formel benutzen kann. Die Zahlen-Werte für den Beiwert nü berücksichtigen dabei auch die dissipative Energie, die für die strukturelle Verformung eines Radreifens oder der Fahrbahnfläche notwendig ist. Vergleicht man das System Metallrad/Metallschiene mit dem System Luftrad/Straßen-Fahrbahn, so schneidet bzgl. des Widerstandes das erste besser ab als das zweite (Das kann aber beim Bremsen oder Steigungs-Fahrten kontraproduktiv sein).
Die Rollreibung sorgt beim Abrollen der Kettenröllchen dafür, daß der Verschleiß sich auf einer Abrollfläche der Röllchen ausbreitet, auf den Zähnen der Kettenräder aber auch. Die Röllchen bewegen sich gegenüber den Kettengliedern auf ihrem Lager-Kreis. Eine reine Betrachtung der Verschiebung der Kettenglieder auf den Kettenrädern beim Pedalieren ist nicht ausreichend. Um wieviel diese Röllchen sich beim Einschwenken oder Ausschwenken weiter drehen, ist bestimmt nicht leicht zu beschreiben. Ob sich dabei durch die Mechanik des Vorgangs Häufungsflächen ausbilden (mit größerem Abrieb ?) , ist schwer überschaubar. Ich habe ad hoc mal je zwei Röllchen an 2 Durchmessern gemessen: Im Neuzustand ist da die Toleranz bei 2/100 [mm] , bei den 20 000 [km] Exemplaren ebenso 2/100 [mm]. Bei den 20 000-ern gab es bei den gemessenen 11 Röllchen auch 11-Durchmesser-Werte (mit 0,2 [mm] maximalem Unterschied, bei einem Durchmesser im Neu-Zustand 7.64 [mm]).
Zu allen Meßwerten ist zu sagen, daß das nur erste Eindrücke sind. Statisch abgesichert ist da gar nichts. Der Blinde (Ich) klopft im Wald an ein paar Stämme und meint , er stände im Wald !

MfG EmilEmil

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