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"Geisterradler"

Verfasst: Mo Nov 09, 2015 8:42 am
von Pibach
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Ich mache für dieses hier aufgekommene Thema mal einen neuen Thread auf.
CycoRacer hat geschrieben:...als "Geisterradler" auf dem Radweg steigt dein Unfallrisiko auf das 4 bis 6 fache an und auf der richtigen Seite ist es ja schon gefährlich genug.
Hast Du dazu eine Statistik?
Also die Wahrscheinlichkeit eines Unfalles als "Geisterradler" versus "Korrektradler"?

Ich kenne da nur sowas: "Im vergangenen Jahr waren an 6 089 Verkehrsunfällen Radfahrer beteiligt. 2 896 Mal wurden sie von der Polizei als Hauptverursacher ermittelt. In 1 268 Fällen krachte es, weil dort geradelt wurde, wo es nicht erlaubt war"

Das ist aber einfach nur ein Fehler in der Auswertung der Zahlen.
Das heißt ja nur, das Radfahrer wenig unfallverursachende Fehler machen - außer eben "Geisterradeln". Wobei völlig unklar ist, ob das überhaupt in einem "ursächlichen Zusammenhang" stand.

Re: "Geisterradler"

Verfasst: Mo Nov 09, 2015 5:38 pm
von PetraS
Ich fahre aber nicht wie eine wilde daß ich den engegenkommenden Radfahrer nicht sehe. Ich kann mir sowas nicht vorstellen. Ich fahre immer nach gegebenen Umständen, freie Bahn=schnell, viel Verkehr =vorsichtig und langsam. Nicht alle Radfahrer können bzw wollen es. Ich habe schon so einige geshen die bei Hindernissen nicht bremsen und erwarten das der schon weggeht/fährt.

Ich fahre auch nicht blind nach Regeln, das heißt bei Vorfahrt oder ähnlichem, schaue ich ob ich fahren kann, ob der tatsächlich mich vorbei läßt. Ich kann nicht stur davon ausgehen daß der andere Vekehrsteilnehmer genau das tut was er soll. Das ist meiner Meinung nach eine der Hauptunfallursache.

Re: "Geisterradler"

Verfasst: Mo Nov 09, 2015 6:43 pm
von CycoRacer
Hier meine Quelle für das erhöhte Unfallrisiko (deckt sich auch mit meinen persönlichen Erfahrungen):

http://www.nationaler-radverkehrsplan.d ... r-a-06.pdf

Ich zitiere mal daraus:
"Entgegen vielfacher Vermutung weisen Straßen mit
Schutzstreifen recht geringe Unfallraten auf, vermutlich
aufgrund der guten Sichtbarkeit des Radverkehrs für Kfz-
Lenker. Unterschätzt werden dagegen die Risiken der
Benutzung links liegender Radwege bzw. der Nutzung
von Radwegen in die falsche Richtung. Hier besteht ein
vier- bis sechsfach höheres Risiko als auf der richtigen Seite;
planerisch besteht also ein besonderer Bedarf der Sicherung der
Zweirichtungsradwege an den Einmündungen, z.B. durch Aufpflasterungen.
Grundsätzlich sollten diese Radwege innerorts vermieden werden.
Auch Fahren auf dem Gehweg ist
gefährlicher als angenommen, insbesondere an
Grundstücksausfahrten durch die eingeschränkter Sicht."

Und hier noch einige interessante Urteile. Bitte unter Abschnitt "Benutzung linker Radwege/"Geisterradler"
nachschauen. Die anderen Themenabschnitte speziell zu Radfahrern und Fußgängern sind auch recht informativ.

http://pdeleuw.de/fahrrad/urteile.html#links


Gruß
Reimund

Re: "Geisterradler"

Verfasst: Mo Nov 09, 2015 7:03 pm
von berlinonaut
Pibach hat geschrieben:[
Ich kenne da nur sowas: "Im vergangenen Jahr waren an 6 089 Verkehrsunfällen Radfahrer beteiligt. 2 896 Mal wurden sie von der Polizei als Hauptverursacher ermittelt. In 1 268 Fällen krachte es, weil dort geradelt wurde, wo es nicht erlaubt war"

Das ist aber einfach nur ein Fehler in der Auswertung der Zahlen.
Oder in Deiner Interpretation. ;) Nehmen wir der Einfachheit halber an die Zahlen (übrigens aus dem Jahr 2004 und aus einem Artikel im Jahr 2005) seien grundsätzlich korrekt (um einer neuerlichen Diskussion über die Subjektivität in Polizeistatistiken vorzubeugen). Dann heisst das:

- in knapp der Hälfte der polizeilich erfassten Unfälle mit Radlerbeteiligung war der Radler Hauptverursacher.
- bei knapp 1/4 der Unfälle lag die 'Ursache darin, dass die Radler dort radelten, wo sie es nicht hätten tun dürfen. Das beinhaltet "Geisterradeln", aber vermutlich wohl auch Fusswegradeln etc.. Letzteres waren z.B. laut des Artikels z.B. 262 Fälle.

Der Artikel behauptet mitnichten, dass es 1 268 Fälle von Geisterradelei gegeben hätte.
Pibach hat geschrieben:Das heißt ja nur, das Radfahrer wenig unfallverursachende Fehler machen - außer eben "Geisterradeln".
Bei knapp 50% Verursacherquote der Radler wovon weniger als die Hälfte "Fahren wo nicht erlaubt" war und davon wiederum nur ein unbekannter Anteil "Geisterradeln" halte ich diese Aussage nicht im Ansatz für haltbar.
Pibach hat geschrieben:Wobei völlig unklar ist, ob das überhaupt in einem "ursächlichen Zusammenhang" stand.
Im Detail wird das nach mehr als 10 Jahren wohl keiner mehr klären können - allerdings: Vereinfacht gesagt liesse sich mutmassen, dass wenn Radfahrer nur da führen wo sie dürfen knapp 1/4 der Radunfälle vermutlich nicht passiert wären - schlicht aus Ermangelung eines Unfallgegners. ;)

Natürlich könnte man jetzt seitenlang diskutieren, ob z.B. ein Autofahrer nicht eh links und rechts gucken muss beim Abbiegen, Geisterradeln also gar nicht gefährlich sein dürfte in diesem Szenario (zumal der Autofahrer ja weiss, dass Geisterradler existieren). So funktioniert aber in Deutschland die Rechtssprechung nicht (in Holland meines Wissens teilweise schon) und wir wissen auch gar nicht welcher Anteil der unbekannten Zahl an Geisterradelunfällen was mit abbiegenden Autofahrern zu tun hatten. Die Diskussion ist also müssig, zumindest hierzulande.

Eindeutig ist nur: Hätten sich weniger Radfahrer falsch verhalten hätte es vermutlich weniger Ufälle gegeben (Binsenweisheit, die genauso für Autofahrer gilt). Würden Radfahrer nur dort fahrern, wo es erlaubt ist, auch. Das ist jetzt schon nicht mehr so trivial: 262 Unfälle mit Fussgängern in 2004 weil Autos verbotenerweise Fusswege und Fussgängerzonen befahren haben hätte wohl irgendjemand wutentbrannt thematisiert seinerzeit...

Re: "Geisterradler"

Verfasst: Mo Nov 09, 2015 7:11 pm
von berlinonaut
PetraS hat geschrieben:Ich fahre aber nicht wie eine wilde daß ich den engegenkommenden Radfahrer nicht sehe. Ich kann mir sowas nicht vorstellen.
Es reicht schon, wenn er Dich nicht sieht... Ganz zu schweigen von engen Wegen und nächtens bei Dunkelheit. Und nicht jeder ist so rücksichtsvoll wie Du - so manchen Gehwegradler würde ich am liebsten vom Rad boxen angesichts ihres Fahrverhaltens und den berwiegenden Teil der Geisterradler gleich mit. Oft sind die Kandidaten nämlich keinen Deut besser als die vielgeschmähten aggressiven Autofahrer: Immer druff auf die Schwächeren... Das Ausmass dieser Kandidaten nehme ich allerdings auch erst seit meinem seit einigen Monaten erzwungenen Perspektivwechsel als Fussgänger (mit Behinderung) statt Radler wahr.

Re: "Geisterradler"

Verfasst: Mo Nov 09, 2015 8:37 pm
von PetraS
Es reicht schon, wenn er Dich nicht sieht... Ganz zu schweigen von engen Wegen und nächtens bei Dunkelheit.
Es reicht doch wenn ich ihn sehe ;) bisher gabs keine Probleme.
Würden Radfahrer nur dort fahrern, wo es erlaubt ist, auch.
Ich fahre oft dort wo es "nicht erlaubt ist", schlicht um sicherer zu fahren. Auf der Straße bin ich nur wenn es dort auch eigene Radwege gibt, sonst nicht.

Re: "Geisterradler"

Verfasst: Mo Nov 09, 2015 10:47 pm
von CycoRacer
PetraS hat geschrieben: Es reicht doch wenn ich ihn sehe ;) bisher gabs keine Probleme.
Man sollte sich zumindest der höheren Gefahr, in der man schwebt, bewusst sein und besonders vorsichtig sein. Beispielsweise kann der vermeintlich freundliche Autofahrer vor einem Zebrastreifen mit Stop-Schild anhalten, nach links in die Vorfahrtsstraße schauen und dann noch schnell durchstarten um eine Lücke im fließenden Verkehr zu erwischen. Als Geisterfahrer von rechts kommend, nimmt man das anhaltende Auto vor dem Zebrastreifen wahr, deutet dies als Aufforderung den Zebrastreifen auf dem Radweg zu überqueren und startet durch. So wurde meine Tante vor vielen Jahren angefahren. Gehbehinderung für den Rest des Lebens, Fahrrad Totalschaden, und sie musste nach Gerichtsentscheid, obwohl Vorfahrtsstraße und Zebrastreifen auch noch die Reparatur des Autos und die Anwaltskosten bezahlen.

Auch ich hatte heute Abend im Dunkeln wieder eine Schrecksekunde. Beim beschleunigten Rechtsabbiegen auf eine serpentinenartige, vermeintlich freie Vorfahrtsstraße am Haldenhang mit ca. 7% Gefälle habe ich einen Mountainbikefahrer bergabfahrend "übersehen" (stockfinster, kein Licht und keine Klingel am Rad, ca. 40 km/h schnell). Er weicht mir Richtung Straßenmitte aus und fährt noch fast in den Gegenverkehr. Ist nochmal gut gegangen. Er war auch sehr freundlich und hat sich bei mir entschuldigt, aber das hätte übel ausgehen können.

Gruß
Reimund

Re: "Geisterradler"

Verfasst: Mo Nov 09, 2015 11:06 pm
von CycoRacer
Habe zum Thema noch folgenden Film auf Youtube gefunden:

https://www.youtube.com/watch?v=YrH0CyY5nUk

Gruß
Reimund

Re: "Geisterradler"

Verfasst: Di Nov 10, 2015 12:04 am
von Pibach
berlinonaut hat geschrieben: Eindeutig ist nur: Hätten sich weniger Radfahrer falsch verhalten hätte es vermutlich weniger Ufälle gegeben (Binsenweisheit, die genauso für Autofahrer gilt). Würden Radfahrer nur dort fahrern, wo es erlaubt ist, auch. Das ist jetzt schon nicht mehr so trivial: 262 Unfälle mit Fussgängern in 2004 weil Autos verbotenerweise Fusswege und Fussgängerzonen befahren haben hätte wohl irgendjemand wutentbrannt thematisiert seinerzeit...
Wenn man für die Beurteilung von "falsch" und "richtig" die StVO als maßgeblich heranzieht deuten die Statistiken stark darauf hin, dass das - in den überwiegenden Fällen - nicht zutrifft! Eindeutig ist daher nur, dass Deine "Binsenweisheit" keineswegs eindeutig ist.

Re: "Geisterradler"

Verfasst: Di Nov 10, 2015 8:18 am
von berlinonaut
Pibach hat geschrieben:
berlinonaut hat geschrieben: Eindeutig ist nur: Hätten sich weniger Radfahrer falsch verhalten hätte es vermutlich weniger Ufälle gegeben (Binsenweisheit, die genauso für Autofahrer gilt). Würden Radfahrer nur dort fahrern, wo es erlaubt ist, auch. Das ist jetzt schon nicht mehr so trivial: 262 Unfälle mit Fussgängern in 2004 weil Autos verbotenerweise Fusswege und Fussgängerzonen befahren haben hätte wohl irgendjemand wutentbrannt thematisiert seinerzeit...
Wenn man für die Beurteilung von "falsch" und "richtig" die StVO als maßgeblich heranzieht deuten die Statistiken stark darauf hin, dass das - in den überwiegenden Fällen - nicht zutrifft! Eindeutig ist daher nur, dass Deine "Binsenweisheit" keineswegs eindeutig ist.
Erkläre das doch mal bitte - ist so nicht nachvollziehbar.