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EU gefördertes Faltrad(forschungs)Projekt
Verfasst: Di Jun 03, 2014 9:14 pm
von superfalter
Re: EU gefördertes Faltrad(forschungs)Projekt
Verfasst: Mi Jun 04, 2014 7:26 am
von derMac
Sieht spannend aus, allerdings scheint mir die Sitzposition den Bildern nach etwas hecklastig zu sein. Kann aber täuschen, gibt ja leider keine Bilder wo jemand damit fährt.
Mac
Re: EU gefördertes Faltrad(forschungs)Projekt
Verfasst: Mi Jun 04, 2014 7:51 am
von superfalter
Bilder nicht
Re: EU gefördertes Faltrad(forschungs)Projekt
Verfasst: Mi Jun 04, 2014 7:58 am
von Pibach
derMac hat geschrieben:...gibt ja leider keine Bilder wo jemand damit fährt.
Hier noch ein Bild, wo jmd drauf sitzt:

Von
hier.
Nette Ideen, Faltkonzept mit Kevlar-Zugseilen zur Stabilisierung finde ich interessant. Wirkt in dieser Realsisierung aber überkomplex.
Ansonsten aber offenbar wieder die typischen Fehler, wenn Projekte von Design und unerreichbaren Zielen getrieben werden, statt Existierendes zu optimieren.
- Antrieb über Umlenkrolle wird zu ineffizient und im Tretbereich kann das so nicht stabil sein
- Räder sieht hinten nach 12" aus vorne 16"?
- Lenker zu hoch, zu wenig Vorwärtswinkel. Mal wieder typische "Opa-Geomertrie".
- industriell kaum für einen marktfähigen Preis zu realisieren bei so vielen Spezialteilen. Ist also wieder mal ein Schubladenprojekt.
Ansonsten finde ich interessant, dass die EU solche Sachen in Millionenhöhe fördert. Da sollte man als größtes europäischen Forum doch einbezogen werden!
Re: EU gefördertes Faltrad(forschungs)Projekt
Verfasst: Mi Jun 04, 2014 8:25 am
von derMac
Pibach hat geschrieben:Nette Ideen, Faltkonzept mit Kevlar-Zugseilen zur Stabilisierung finde ich interessant. Wirkt in dieser Realsisierung aber überkomplex
Ich kann erstmal nicht erkennen, was das überkomplex ist.
Ansonsten aber offenbar wieder die typischen Fehler, wenn Projekte von Design und unerreichbaren Zielen getrieben werden, statt Existierendes zu optimieren.
Welches unerreichbare Ziel hatten sie denn?
Lenker zu hoch, zu wenig Vorwärtswinkel. Mal wieder typische "Opa-Geomertrie".
Ja, finde ich nicht gelungen. Weder konsequent "Hollandrad" noch konsequent "Trekkingrad" sondern so ein unsägliches "Cityrad". Wenn das nicht verstellbar ist, schließt man die Gruppe der "echten" Radfahrer damit nahezu aus.
industriell kaum für einen marktfähigen Preis zu realisieren bei so vielen Spezialteilen.
Ich finde die genannten Preise durchaus marktfähig.
Ansonsten finde ich interessant, dass die EU solche Sachen in Millionenhöhe fördert. Da sollte man als größtes europäischen Forum doch einbezogen werden!
Wenn die EU Geld verteilt gibt es normalerweise Ausschreibungen. Da wird man nicht gefragt, da bewirbt man sich. Solltest du eigentlich wissen.
Mac
Re: EU gefördertes Faltrad(forschungs)Projekt
Verfasst: Mi Jun 04, 2014 8:45 am
von Pibach
derMac hat geschrieben:
Ich kann erstmal nicht erkennen, was das überkomplex ist.
Ich zähle 9 Gelenke und 12 Kabel.
Problem ist aber wohl eher, dass alles Sonderteile sind und auch spezielles Fertigungsverfahren (CNC?) erfordern.
Ansonsten auch Seitenaufhängung der Räder, umgelenkter Antrieb, Zwischengetriebe, 2x Riemen.
Man kann da natürlich immer Wunschpreise hinschreiben. Die erscheinen aber kaum realistisch. Wer soll das denn zu dem Preis fertigen?
Zielvorgaben kenn ich auch nicht, aber wohl "Aktentaschenformat".
Praxisorientierter würde ich es eigentlich finden, einen typischen Seitenfalter einfach nur etwas zu optimieren. So in die Richtung wie das FSIR Spin. Das ist aber vielleicht nicht "innovativ" genug und damit nicht förderfähig?
Findet jmd die Ausschreibung dazu? Läuft das Projekt noch? Projektseite? Gibt vielleicht demnächst auch wieder Ähnliches.
Re: EU gefördertes Faltrad(forschungs)Projekt
Verfasst: Mi Jun 04, 2014 8:53 am
von EmilEmil
Statt 5x °Oh° zu schreiben, sage ich einfach "die olympischen Ringe".
Zuerst das Positive: Wer für solchen Mist Subventionen in Millionenhöhe von der EU absahnen kann, hat in Punkto Finanzen eine bewundernswerte Fähigkeit.
Zum Negativen: Der (die) Konstrukteur(e) ha-t(ben) offenbar noch nie etwas von Torsionsteifigkeit (Testprozedur: A) Lenkkopsteifigkeit (= Verwindung des Vorderrades gegenüber dem Hinterrad) oder B) Tretlagersteifigkeit (= Verwindung des Tretlagers gegenüber dem Lenkkopfrohr)) gehört, sonst würde man nicht versuchen, gewisse bezüglich der Gewichtsbelastung auf Zug beanspruchte Träger durch Seile*) zu ersetzen (Ja,ja meine besonderen "Freunde " unter den i.A. guten Britischen Ingenieurskollegen versuchen so etwas manchmal auch; aber Ausnahmen (besser Ausreißer) gibt es ja immer. Ich wunder mich nur, daß kein Mist offenbar so unsinnig ist, daß er nicht immer wieder versucht wird.
Regenschirmfalter (= Faltrahmen mit vielen Gelenken) sind keine Lösung für ein gutes Faltrad. Viele Gelenke bedeuten immer auch Spiel an vielen Stellen und folglich ein wackeliges Fahrverhalten. Eine Optimierung des Spiels kann mit Formel 1-Aufwand geschehen, ist aber in der Serie nicht machbar. Genanntes Gewicht und angepeilter Preis sind reines Wunschdenken. Merkwürdig, daß immer wieder versucht wird, das Faltrad neu zu erfinden, statt das Vorhandene endlich mal zu optimieren.
Ein Faltrad ist mindestens zu 50% ein Fahrrad und zum anderen Teil ein Ding, das man zum Verstauen "klein" machen kann.
Aber ich (wir ?) lebe(n) in einer Zeit (siehe Pedelec), in der viele Dinge nur noch einen dekorativen Sinn haben (Dann sollte man das aber dazu sagen: Regenschirmfalter für die Vitrine o.ä.

).
Mein Daumen geht nach unten.
*) Seile können nur Zugkräfte übertragen, die anderen Kräfte (Querkräfte in zwei zueinander senkrechten Achsen) und Momente (Biegung in zwei zueinander senkrechten Achsen plus Torsion in axialer Richtung) sind nicht übertragbar.
MfG EmilEmil
Re: EU gefördertes Faltrad(forschungs)Projekt
Verfasst: Mi Jun 04, 2014 9:00 am
von katapult
das kleine Faltmass wird durch die Miniräder und die Vielzahl von Gelenken erreicht. Das ist soweit erst mal nachvollziehbar und logisch. Problematisch wird der Ansatz unter dem Aspekt der Industriellen Fertigung, des Angestrebten Preises und des Gewichtes. Die formulierten Ziele sind zumindest in der skizierten Materialität nicht zu erreichen, und dienen in erster Linie der Akquise der Fördergelder.
In der Faltanimation fehlen leider die Zugseile. Davon abgesehen daß diese im CAD schwierig zu modellieren sind, würde das Faltpaket weitaus weniger kompakt und aufgeräumt aussehen. Eine weitere Frage stellt sich mir in Hinblick auf die Stabilität des aufgerigten Rahmens. Scheinbar ist der Apendix hinter dem Sattelrohr der Hebel um die notwendige Vorspannung in die Seilkonstruktion zu bringen. Ich bezweifle allerdings das dieser Hebel geeignet ist die erforderliche Kraft aufzubringen.
Fazit: Das Gerät wird mindestens 10 kg wiegen und wesentlich Teurer, bei Fahreigenschaften die eher in richtung Micro / Handybike denn ernsthaftes Fahrrad gehen. Ich sehe da wenig Chancen am Markt.
Re: EU gefördertes Faltrad(forschungs)Projekt
Verfasst: Mi Jun 04, 2014 9:34 am
von derMac
EmilEmil hat geschrieben:Wer für solchen Mist Subventionen in Millionenhöhe von der EU absahnen kann, hat in Punkto Finanzen eine bewundernswerte Fähigkeit.
Mit finanziellen Fähigkeiten hat das überhaupt nichts zu tun.
Pibach hat geschrieben:Findet jmd die Ausschreibung dazu?
Horizion 2020
Läuft das Projekt noch?
Ich denke schon.
Projektseite?
http://www.bike-intermodal.eu/
Mac
Re: EU gefördertes Faltrad(forschungs)Projekt
Verfasst: Mi Jun 04, 2014 10:22 am
von Pibach
Ich könnte mir schon vorstellen, dass ein Gestänge, dass durch Kevlarseile abgestützt wird, insgesamt die wesentliche Idee ist, um leicht, stabil und faltbar zu vereinigen. Das sollte aber dann imho deutlich simpler aufgebaut sein, siehe z.B. das Slingshot Folding Bike. Oder meinetwegen aus Standard-Rohren als Fachwerk, wie z.B. das Colossus. Problem hab ich dann auch vor allem mit der Kraftübertragung, umgelenkt und Getriebe - kann mir nicht vorstellen, dass dass effizient und steif werden kann. Wenn das aber ohnehin nur ein Alibi-Mittreten für die Pedelec Zulassung ist, dann ist die Konstruktion vielleicht gar nicht so schlecht?
Forschung in dieser Richtung finde ich eigentlich sehr begrüßenswert. Würde da aber eine Zweiteilung sehen: 1) grundlegende Forschung für neue Konstruktionsprinzipien, also leichtere Rahmen aus CNC-Alu/Carbon mit Kevlarzügen und billigen Industiegleitlagern. Und 2) der eher marktorientierten Forschung, wo dann die ganzen konkreten Herstellungsprozesse und Kosten viel genauer zu berücksichtigen sind. Letztere sollte deutlich weniger "innovativ" sein, sonst wird das erfahrungsgemäß nichts. Kostengünstig herstellen kann man sowas eh nur in Asien oder vielleicht auch Osteuropa.