Ich würde es ja gut finden, als Faltrad-Community ein paar politische Punkte zu formulieren. Nur so kann auch die Politik darauf reagieren. Hab nachfolgend mal ein paar Ideen/Themen gelistet. Ich denke allerdings, dass die bereits unter Radfahrern sehr kontrovers sind. Muss also erstmal diskutiert werden und zu einem gewissen Konsens kommen:
a) Fahrradmitnahme im ICE oder Fahrrad kostenlos in allen Zügen ist wirtschafltlich wohl nicht tragfähig, weil die zu viel Platz kosten. Daher ja Falträder. In Bussen aber manchmal noch schwierig. Aber in S-Bahnen/Ubahnen könnte man Fahrräder imho grundsätzlich iclusive im Ticket machen, denn die benutzen dann ja weniger die Busse. Dass der Normalbürger für sein Fahrrad ein volles Zusatzticket im ÖPNV kaufen soll, ist einer der wesentlichen Hindernisse für eine weitere Verbreitung und auch gar nicht praxisgerecht. Im Zug sind dagegen die Fahradpreise im Verhältnis passender, zumindest bei längeren Strecken. Ein Trip knapp raus aus der Stadtgrenze mit Zug und Rad würde allerdings auch schon übertrieben zu Buche schlagen. Hier könnte man passendere Preismodelle diskutieren. Fahrradmitnahme im ÖPNV machen in Berlin de facto nur Studenten, denn in deren Studententicket ist die Fahrradmitnahme inclusive und das für das gesamte Tarifgebiet ABC (normales Monatsticket umfasst nur AB, am Wochenende sogar eine 2. Person, aber kein Fahrrad). Für Falträder formuliert man die kostenfreie Mitnahme am besten anhand des "Patzbedarfes". Im ÖPNV steht oft ein Faltrad am besten ungefaltet und nur Lenker angeklappt im "Stehbereich".
b) Fahrradwege oder allgemein Vekehrsraum für Fahrradfahrer sollte man mal konkrete Vorschläge machen, was da gewünscht wird. Offenbar wollen wir ja lieber auf der Straße fahren. Die Grünen geben noch ein paar Maßnahmen an, das könnten wir ja mal diskutieren / priorisieren.
c) Fahrrad-Grünpfeile. Oder besser generelle Fahrrad-Freigabe für Rechtsabbiegen und an rechts durchgehenden T-Kreuzungen geradeaus fahren, natürlich nach Vekehrslage. Da das de facto eh kaum beachtet wird, würde eine "Entkriminalisierung" hier viel bringen. Auch das Fahren auf dem Bürgersteig kann man imho freigeben, wenn "ausreichend Platz ist". Muss natürlich mit angepasster Geschwindigkeit (6 km/h) passieren. Ich würde auch das Fahren auf der "falschen" Straßenseite zulassen, das wird auch viel so in der Praxis gehandhabt. Dass dabei viele Unfälle entstehen liegt imho an anderen Faktoren, müsste man paralal aufarbeiten. "Falschseitenfahrer" müssen dann gegenüber Querstraßen bzw. entgegenkommenden Radfahrern Vorfahrt achten. Da das Rad oft für Minimalwege benutzt wird, ist es ist es in vielen Fällen jedenfalls nicht praxistauglich anzunehmen, das der Radfahrer langwierig Straßen überquert, auf die korrekte Straßenseite, und auf dem Bürgersteig nur schiebt. Wenn man das praxisgerechter handhaben würde, würden Radfahrer die Verkehrsregeln auch ernster nehmen. Jedenfalls sollte man auch darauf hinwirken, dass diese überfallartigen Verkehrskontrollen, vorzugsweise an "lukrativen" Stellen unterbleiben.
d) Fahrräder als "Dienstfahrzeug" steuerlich vergünstig. Ist in der Gleichstellung ja schon möglich. Wird aber noch kaum genutzt,
siehe z.B. Spiegel. Könnte man auch voran treiben mit Maßnahmen. Viel besser fänd ich es aber, Subventionen des Autos abzuschaffen, denn steuerlich verbilligte Dienstautos sind mit die Haupttreiber des wachsenden Autoverkehrs, den der Steuerzahler somit zum Teil querfinanziert. Ich finde es auch nicht subventionierenswert, wenn jmd weite Anwege zur Arbeit hat, das setzt völlig falsche Anreize.
e) Wegfall der Zertifizierungs- und Festmontage-Pflicht für Beleuchtung, sondern nur Richtlinien. Also so wie in Dänemark/Niederlande. Das würde imho das Beleuchtungsproblem entkriminalisieren, preiswerter machen und zu einer Erhöhung der Beleuchtungsquote führen. Wäre erstmal durch entsprechende Studien zu stützen.
f) Pedelecs auch ohne Tretsensor sondern nur mit Handgas als Pedelec zulassen, ebenso Tretroller (ohne verpflichtenden Sitze) mit Elektromotor, also Regelung wie in Österreich fänd ich gut. Das würde sehr zur Verbreitung von Pedelecs beitragen. Könnte man auch mal unterscuchen, also Vergleich zu Österreich hinsichtlich Verbreitung und Verkehrssicherheit.
g) Freistellung der Straßenbenutzung für Tretroller - wenn diese StVO-konform ausgestattet sind. Das ist aber kein Faltrad-Thema.
h) Aufklärung zum Thema Helm und dass man wieder dahin zurückfindet, die Helmqote - insbesondere für Kinder - zu reduzieren. Das sollte wie in den Ländern mit funktionierendem Radverkehr Richtung 0% tendieren. Und keine Gängelung von Normalradlern mehr durch Helmträger. Da ist nicht unbedingt die Politik gefragt, sondern erfordert einen kontinuierlichen Aufklärungsprozess.
i) Unterstützung von Fahrrad-sharing-Modellen
j) Mehr Abstell- und Anschließmöglichkeiten für Fahrräder