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Re: Forschung: Radfahrer auf die Strasse!

Verfasst: Di Sep 24, 2013 6:07 pm
von frankd
Wenn man immer defensiv, vorausschauend und misstrauisch fährt sollte das Problem eigentlich in den Griff zu bekommen sein. Immer vom Schlimmsten ausgehen, wenn man einen LKW abbiegen sieht oder wenn die Ampel auf grün geht und die Rechtsabbieger bis zu den Fußgänger vorfahren.
Aber diese Fahrweise bringt einem keiner bei, sondern man muss sie sich selber antrainieren. Hinzu kommen in Berlin auch viele Radfahrer, die bewusst die rote Ampel ignorieren, gerade heute erst wieder erlebt, wo 2 Jugendliche bei Rot herüberfahren wollten, aber in dem Augenblick die Linksabbieger losfuhren. Zum Glück haben sie es bemerkt und standen nun leicht perplex mitten auf der Straße. D.h. nicht immer die Schuld bei den Autofahrern oder dem Radweg suchen. Soviel Dummheit bei Radfahrern regt mich immer wieder auf, wenn sogar Mütter mit Kind die rote Ampel ignorieren, um 3 sek. einzusparen.
Ich selber halte nicht viel vom Radstreifen auf der Straße, schlechtere Luft, man wird bei Regen und Schmuddelwetter durch die Autos eingesaut und eben auch viele Parker, die denken der Radstreifen ist zum Parken da, auch wenn es nur zum be- und entladen ist. Vielleicht sollte man doch Verkehrsschulungen vorschreiben, wo man gerade das Defensivfahren und die Gefahren für den Radfahrer anschaulich vermittelt bekommt.

Re: Forschung: Radfahrer auf die Strasse!

Verfasst: Mi Sep 25, 2013 3:42 am
von Karsten
frankd hat geschrieben:Wenn man immer defensiv, vorausschauend und misstrauisch fährt sollte das Problem eigentlich in den Griff zu bekommen sein. Immer vom Schlimmsten ausgehen, wenn man einen LKW abbiegen sieht oder wenn die Ampel auf grün geht und die Rechtsabbieger bis zu den Fußgänger vorfahren.
Ja klar, das machen auch die allermeisten Radler so. Ändert nix an der grundflaschen Konstruktion, die eben immer wieder dazu führt, daß Radler die sich an alle Regeln halten, welche angeblich nur ihrer Sicherheit dienen, unter die LKW-Räder geraten werden. Und sie geraten unter die Räder. weil sie auf diese versprochene Sicherheit vertrauen.
frankd hat geschrieben:(...) viele Radfahrer, die bewusst die rote Ampel ignorieren, gerade heute erst wieder erlebt, wo 2 Jugendliche bei Rot herüberfahren wollten, aber in dem Augenblick die Linksabbieger losfuhren. Zum Glück haben sie es bemerkt und standen nun leicht perplex mitten auf der Straße. D.h. nicht immer die Schuld bei den Autofahrern oder dem Radweg suchen. Soviel Dummheit bei Radfahrern regt mich immer wieder auf, wenn sogar Mütter mit Kind die rote Ampel ignorieren, um 3 sek. einzusparen. (...)
Zunächst mal zu der beschriebenen "Szene": Die Anfahrenden Fahrzeugfuhrer auf der Linksabbiegespur haben sich genauso vorschriftswidrig verhalten, wie die Radler: In eine Lichtzeichengeregelten Kreuzung, darf man mit seinem Fahrzeug nur dann einfahren, wenn die Kreuzung frei ist, unabhängig davon of das LIchtzeichen grün zeigt. (Wird gerne ignoriert)
Ansonsten denke ich, die beschriebenen RotfahrerInnen haben sich grundsätzlich die gleichen Gedanken gemacht, wie Du, haben nur einen Schritt weiter gedacht und erkannt, dass das Farblicht, weder für die Sicherheit noch für das flüssige Fortkommen relevant ist.
Die Unfallstatistiken geben ihnen auch recht: Anders als vielfach kolportiert, werden durch "Rotlichtverstösse" durch Radler praktisch keine Unfälle verursacht.

Gruß Karsten

Re: Forschung: Radfahrer auf die Strasse!

Verfasst: Mi Sep 25, 2013 5:58 am
von Motte
......haben nur einen Schritt weiter gedacht und erkannt, dass das Farblicht, weder für die Sicherheit noch für das flüssige Fortkommen relevant ist.
Dann war der LKW Fahrer ja voll auf deiner Linie - der hat den gleichen Schritt getan - für sein Vorankommen und seine Sicherheit war das auch nicht relevant - der Radler hätte halt nicht seinen Vorrang erzwingen dürfen :twisted:

Re: Forschung: Radfahrer auf die Strasse!

Verfasst: Mi Sep 25, 2013 6:52 am
von Karsten
Motte hat geschrieben:
......haben nur einen Schritt weiter gedacht und erkannt, dass das Farblicht, weder für die Sicherheit noch für das flüssige Fortkommen relevant ist.
Dann war der LKW Fahrer ja voll auf deiner Linie - der hat den gleichen Schritt getan - für sein Vorankommen und seine Sicherheit war das auch nicht relevant - der Radler hätte halt nicht seinen Vorrang erzwingen dürfen :twisted:
Nun ja , abgeshen davon, daß Du hier eine der schwersten Straftaten mit einer Ordungswidrigkeit vergleichst....
Ich bin davon überzeugt, daß der LKW-Fahrer gar nichts erzwingen wollte, sondern die Radlerin trotz angemessener Umsicht nicht wahrgenommen hat.
Und die Wahrscheinlichkeit dafür, ist eben durch das "Prinzip Radweg" um ein Vielfaches höher, als wenn Radler auf der Fahrbahn fahren würden.
So sind - anders als das ständig kolportiert wird-, Radler, die sich auf der Fahrbahn neben LKW nach vorne durchschlängeln in der Praxis ebensoweing von solchen Unfällen betroffen, wie jene die Rote Ampeln ignorieren.

Gruß Karsten
"Fahrrad fährt Fahrbahn"

Re: Forschung: Radfahrer auf die Strasse!

Verfasst: Mi Sep 25, 2013 7:34 am
von Karsten
alterfalter2 hat geschrieben:@ Karsten

So lange es keine drastischen Strafen für solche Unfälle für den jeweiligen Fahrzeugführer gibt, der die Radfahrerin/den Radfahrer beim Abbiegevorgang schlicht "übersehen" hat, wird sich nichts ändern. Das ist zumindest fahrlässige Tötung..
Oh ich denke, wenn, dann ist das vorsätzliche Tötung -Stiichwort "Eventualvorsatz"-.
Aber grundsätzlich denke ich, daß da weder fahrlässigkeit noch Vorsatz vorliegt, sondern, daß der Fahrer die Radlerin eben nicht gesehen hat.
Auch weil ich vom "Prinzip Strafe" genausowenig halte, wie vom "Prinzip Radweg", ist mein konstruktiver Vorschlag ein ganz anderer:

Beifahrerpflicht innerhalb von geschlossenen Ortschaften!.

Das hat nur Vorteile:
Schafft Jobs für niedrig-Qualifizierte, und sorgt auf vielfältige Weise für mehr Sicherheit auf den Straßen. Einerseits natürlich direkt, weil der Beifahrer aus seinem Fenster Radler / Fußüßgänger eben sieht, die der Fahrer nicht wahrnehmen kann.
Aber auch weil. die allermeisten Fahrer sich in Gesellschaft wohller fühlen und deshalb "Besser" fahren werden. Unf für die wenigen, potentiellen Straftäter gib's eiine soziale Kontrolle, die viel wirksamer ist als jede Strafdrohung.
alterfalter2 hat geschrieben: In England gibt es bei solchen Fällen mehr
Resonanz aus der radfahrenden Bevölkerung (evtl. auch mehr tödliche Unfälle mit Radfahrern als hier).
Auszug aus CycleClips vom 31.5.2013 des CTC UK:
(...)
Derartige Kampagnen finde ich klasse. Personinfizierung der Opfer sorgt für eiine ganz ander Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.
alterfalter2 hat geschrieben: Jedenfalls kann man das dort in den Medien sehr gut verfolgen. Hier gibt es dazu einen Dreizeiler, mehr nicht -- leider.

Gruß TIL
Eben!
Gruß Karsten

Re: Forschung: Radfahrer auf die Strasse!

Verfasst: Mi Sep 25, 2013 7:55 am
von TomK
@Frankd Du verschiebst die Schuld zu den Opfern, bitte überdenke dies.

Re: Forschung: Radfahrer auf die Strasse!

Verfasst: Mi Sep 25, 2013 9:30 am
von derMac
TomK hat geschrieben:@Frankd Du verschiebst die Schuld zu den Opfern, bitte überdenke dies.
Er schiebt überhaupt niemandem "Schuld" zu sondern überlegt, wie man solche Unfälle vermeiden kann. Jemandem die Schuld zuweisen verhindert leider keine Unfälle. Ihn dann härter zu bestrafen, wie weiter oben gefordert verhindert leider auch keine Unfälle. Das wäre schön, weil es sehr einfach wäre, aber hilft erwiesenermaßén eben nicht. Deshalb lehne ich diese Vorgehensweise auch ab und bin für einer Vorgehensweise, die Unfallursachen analysiert und möglichst sinnvolle Gegenmaßnahmen einleitet. Bei den allermeisten Unfällen führt erst eine Kette von Ursachen zum Unfall und wenn man möglicht viele dieser Einzelursachen durch geeignete Maßnahmen verhindert reduziert man die Unfallwahrscheinlichkeit. Das wird z.B. in der Luftfahrt sehr erfolgreich so angewendet.

Mac

Re: Forschung: Radfahrer auf die Strasse!

Verfasst: Mi Sep 25, 2013 9:39 am
von Pibach
Hi Karsten, immer wieder sehr angenehm, Deine sehr informierten Kommentare hier zu lesen. Bringt es imho gut auf den Punkt.

Ich kenne es von der Bundeswehr so, die fahren nur mit Beifahrer, gibt da viele Situationen, wo es sonst schwierig würde. Beifahrerpflicht würde dann aber wohl für die ganze Strecke erforderlich, kannst den ja nicht plötzlich in der Ortschaft herbeizaubern. Damit würde das halt teurer. Ich denke eine technische Lösung wäre da eher zeitgemäß, ist aber das Problem, sowas international durchzusetzen. Aber immerhin für EU wäre es denkbar.

Hier in Kreuzberg sind es übrigens nicht überwiegend "jüngere Radler" sondern eigentlich alle, jeden Alters und Hintergrundes, die sich nicht an die Ampeln halten. Die Rothaltequote an den T-Kreuzungen (hab da in meiner Straße mehrere) liegt nahe 0.

Re: Forschung: Radfahrer auf die Strasse!

Verfasst: Mi Sep 25, 2013 11:51 am
von TomK
@derMac: Ich behaupte nicht das diese Aussagen mit Absicht passieren, aber sie sind darin enthalten:
Wenn man immer defensiv, vorausschauend und misstrauisch fährt sollte das Problem eigentlich in den Griff zu bekommen sein.
Das beinhaltet die implizite Ansage das Betroffene sich eben nicht so verhalten haben.
Vielleicht sollte man doch Verkehrsschulungen vorschreiben, wo man gerade das Defensivfahren und die Gefahren für den Radfahrer anschaulich vermittelt bekommt.
Schlägt noch stärker in die gleiche Kerbe. Fahrradfahrer haben gefälligst Platz zu machen sonst sind sie selbst schuld.

Statt die Infrastruktur so zu verbesseren das Sichtverbindungen bestehen bleiben, Geschwindigkeiten reduziert werden, etc, soll die Lösung sein das Radfahrer gefällst zurückstecken und aufpassen.

Re: Forschung: Radfahrer auf die Strasse!

Verfasst: Mi Sep 25, 2013 1:20 pm
von alterfalter2
@ TomK
"Statt die Infrastruktur so zu verbesseren das Sichtverbindungen bestehen bleiben, Geschwindigkeiten reduziert werden, etc, soll die Lösung sein das Radfahrer gefällst zurückstecken und aufpassen."

..das sehe ich haarscharf genau so: so lange der Fahrradnutzer Verkehrsteilnehmer 2.Klasse bleibt (genauso wie der Fußgänger), wird sich nicht viel ändern. Auch sehe ich nicht ein, warum Unfallverursacher nicht hart bestraft werden sollen, zumindest durch lebenslangen Einzug der Fahrerlaubnis, wie im von mir genannten Beitrag des CTC aus Großbritannien gefordert. Wer unachtsam fährt, muß auch die Konsequenzen tragen. Daß viele Berufskraftfahrer unter einem ungeheuren Zeit- und Leistungsdruck stehen ist sicher ohne Zweifel. Notfalls muß ich mir dann einen anderen Job suchen, wenn ich mich dem nicht aussetzen möchte und/oder die Arbeitgeber müssen durch den Gesetzgeber dazu gezwungen werden, entsprechende technische Hilfsmittel an ihren LKW´s zu installieren oder (noch besser) einen Beifahrer mitfahren zu lassen. Merkwürdiger Weise gibt es dies alles an privaten PKW´s.. Rückfahrkamera z.B. ist oft genug Standart oder kann günstig nachgerüstet werden. siehe --->

http://www.ctc.org.uk/publication/cycle ... ember-2013
Timely lorry safety crackdown for London

A tougher approach on lorries in London and elsewhere is long overdue, so CTC has welcomed official moves to tackle the disproportionate risk that these vehicles pose to cyclists in the capital.

The commitments cover lorry design and safety equipment, driver training and taking direct action on dangerous vehicles.

When the Freight Transport Association reacted by stating that “Tougher standards for cyclists' behaviour” were needed, CTC wrote to them pointing out that HGV drivers are more often the party at fault in collisions with cyclists.

Other measures that CTC would like to see seriously considered include bans on lorry traffic in busy urban areas. This, and other options, are discussed in our briefing on Goods Vehicles.


Das alles schließt natürlich Umsicht und verkehrsgerechtes Verhalten von Radfahrern und Fußgängern nicht aus. Auch da ist man in England weiter: Es gibt großangelegte Kampagnen, die die Umsicht der Radfahrer gerade an Kreuzungen zum Thema haben. Auch gibt es spezielle Schulungen für ältere Radfahrer, die sich unsicher fühlen oder die nach langer Zeit ohne Fahrrad sich wieder sicher im Verkehr bewegen möchten. siehe --->

http://www.ctc.org.uk/press-release/201 ... r-students
Freshers' cycle training after call from Oxford MP to improve safety for students
By LauraRaymond [1] on 9 September 2013
Oxford University freshers to get free cycle training as CTC answers MP’s call at the ‘Get Britain Cycling’ debate
image/jpeg icongw_cycletraining_044.jpg [2]
Cycle training helps improve confidence, meaning people cycle more often

During last week’s well-attended cycling debate in Parliament, Oxford West and Abingdon MP Nicola Blackwood questioned the lack of cycle training for students coming to the city and cycling for the first time on unfamiliar roads.

After campaigning with other cycling organisations for the debate, and the recent ‘Cycling Revolution’ cash announced by David Cameron, CTC the national cycling charity, has offered to help.

The university’s Student Union has welcomed the move and CTC Senior Training Officer Greg Woodford will run the ‘The CTC Commuter Tutor’ course for free to students who sign up at the Fresher’s Fair. Greg said: “We will be developing on road cycling skills and learning how to deal with all traffic conditions during the training.”

The Vice-President for Charities and Community at the Oxford University Student Union, Dan Tomlinson, said: “Oxford is definitely a cycling city and we want our students to enjoy cycling safely during their time here. We have a good cycling focus at the Fresher’s Fair this year and are also helping students make sure their bikes are safe with a discounted bike lock scheme.”

This autumn, CTC will also be providing cycle training to students at Plymouth, Reading and Leeds universities.

Gruß TIL