frankd hat geschrieben:Ich halte von solchen Aktionen nicht viel, letztendlich sind nicht nur die Kiezbewohner genervt, sondern auch die angrenzenden Kieze müssen jetzt noch ein Plus an fahrenden und parkenden Fahrzeugen aufnehmen.
Da hätte man sich vielleicht mal mehr Gedanken machen sollen, wie man das Problem langfristig lösen kann. Elektrofahrzeuge sind auch nicht die Lösung, denn bei einem Ersatz 1:1 ändert sich an der prekären Parkplatzsituation nichts.
D.h. hier muss man neue carsharing-Modelle ausprobieren, wie funktioniert das Nachbarschaftsauto, car2go für alle, kann sich ein Haus ein Gemeinschaftsauto teilen, wer bekommt das Auto bei Stoßzeiten z.B. Feiertage oder Ferienzeiten, wer übernimmt Wartung und Pflege. Viele offene Fragen, da wäre so ein Modellprojekt mit anschließender öffentlicher Auswertung und entsprechender Weiterführung viel zielführender als so ein Stressevent.
Die Kiezbewohner sind nicht genervt. In dem Artikel ist eine Fotostrecke mit Anwohnern und Passanten, die dazu befragt wurden - die waren ausnahmslos dafür. Genervt sind Politiker, die sich auf den Schlips getreten fühlen und Angst vor Volkes Zorn haben und Gewerbetreibende. Da werden abstruseste Argumente ausgepackt und die Bedenkenträger aller Couleur kommen aus der Deckung. Grundtenor: Ja es muss sich was ändern - aber wir doch nicht. Hier
http://www.tagesspiegel.de/berlin/autof ... 47696.html steht z.B.
Im „Nah und gut“-Supermarkt an der Raumerstraße sagt eine Angestellte, es wäre „viel zu umständlich“, Waren am Rande des Sperrgebiets umzuladen auf Elektromobile. „Wir werden jeden Tag drei bis vier Mal beliefert.“
Das ist doch absurd. Warum muss ein Supermarkt im Wohngebiet 3-4 mal
täglich beliefert werden? Allein die Zunahme des Lieferverkehrs durch den eCommerce schreit nach neuen Lösungen - durch jede Wohnstrasse fahren heute die Lieferfahrzeuge der diversen Paketdienstleister, teils mehrfach täglich. Durch Parken in zweiter Reihe behindern sie zudem den Fliessverkehr mit Stau und zusätzlicher Luftverschmutzung als Konsequenz. Das sind doch genau die Dinge, für die man durch solche Projekte Alternativen erarbeiten will. Zitat:
Das Festivalprogramm soll am 3. Juni auf einer Bürgerversammlung im Rathaus Pankow vorgestellt werden. In dieser Woche wolle man einen „intensiven Dialog“ mit Anwohnern und Gewerbetreibenden am Helmholtzplatz beginnen, sagt Organisationschef René Waßmer. Man werde „nichts ohne die Bürgerinnen und Bürger“ unternehmen und sei bereit, Kompromisse einzugehen. In Südkorea habe es anfänglich auch Proteste gegeben. Später hätten alle mitgemacht.
Das hat sich ja nun offenbar erledigt. Schade. Und das wo Berlin seit Jahren behauptet Hauptstadt der Elektroautos werden zu wollen:
2009:
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/a ... 58144.html
2010:
http://www.morgenpost.de/wirtschaft/art ... erden.html
2011:
http://www.auto-motor-und-sport.de/news ... 57792.html
2013:
http://www.morgenpost.de/bezirke/tempel ... autos.html
2013:
http://www.handelsblatt.com/politik/deu ... 20296.html
Es gibt sogar die Berliner Agentur für Elektromobilität (
http://www.emo-berlin.de/) und die hat erst im März 2014 eine Konferenz gemacht:
http://www.emo-berlin.de/de/presse/news ... r-rathaus/ und was sagt da der regierende Sonnenkönig (aka der blaue Klaus): Die Jahre 2014 und 2015 seien für die Elektromobilität entscheidende Jahre, so der SPD-Politiker. Die Industrie müsse noch deutlich mehr tun, um ihr Produkt in den Markt einzuführen. ( ->
http://www.rbb-online.de/wirtschaft/bei ... erenz.html). Konferenz ist also ok, jetzt ist das entscheidende zeitfenster, aber machen sollen wie immer die anderen was. Na ja, den nimmt eh keiner mehr ernst.
Es geht bei einem solchen Projekt wie in Prenzlauer Berg angedacht nicht darum, eine dauerhafte langfristige Lösung zu etablieren. Es geht darum, temporär Konzepte mit heute verfügbaren Lösungen und Technologien auszuprobieren. Und die heissen u.a. Fahrrad, ÖPNV und Carsharing. Genau das ist/war da vorgesehen. Diese Paranoia vor Verlust von irgendwas verbunden mit den Anforderung nur Lösungen, die für die Ewigkeit tauglich sind, zuzulassen verhindert jede Lust am Ausprobieren, jedes Lernen - und schlussendlich auch die Entwicklung tragfähiger Lösungen. Am Konferenztisch entstehen die nämlich eher nicht. Wenn das in meinem Kiez passieren würde fände ich das sehr klasse.
@Pibach: Die rechtliche Seite ist nicht das Problem - steht auch in dem Tagesspiegel-Artikel:
DIE RECHTLICHE FRAGE
Kirchners Stadtratskollege Torsten Kühne (CDU) sieht schon eine Beschwerdewelle auf sich zurollen. Wenn Stellflächen für Autos wegfielen, gebe es schon bei wesentlich kleineren Veranstaltungen Anwohnerklagen. Außerdem entgingen dem Bezirk mindestens 200 000 Euro aus der Parkraumbewirtschaftung. „Ich habe Zweifel, ob der Helmi der richtige Ort dafür ist.“ Grundsätzlich sieht Kühne aber keine unüberwindbaren rechtlichen Hürden. „Wenn der Bezirk es wirklich will, kriegt man es auch genehmigungsfähig hin.“ Auch Verkehrsrechtler Steffen Küchler hat keine Bedenken. „Es gibt kein Recht, bis vor die eigene Haustür fahren zu können.“