Ok, hier meine Erfahrungen mit den drei Falträdern:
1. Dahon myu P8
2012 über das Internet für 650,- € gekauft, Farbe dunkelblau, 8-Gang-Kettenschaltung von Shimano, mit Schutzblechen aus Plastik. Sitzposition war hervorragend, sehr bequemer, ergonomisch gut geformter Sattel, ebenso überzeugende ergonomisch gut geformte Handgriffe. Die Gänge wurden per Drehgriff geschaltet, ging flott und leicht, acht Gänge waren für mich schon mehr als genug, gut übersetzt. Mit dem ersten Gang kam ich in Köln locker über jede Brückenrampe. Berge gibt's hier ja nicht so viele.
Sehr verwindungssteif war der Faltrahmen des Dahons aber nicht. Bei Querrillen wurde das Fahrverhalten des Rads schon etwas unruhig. Verarbeitet war das Dahon recht gut, allerdings hatte ich am lackierten Rahmen nach kurzer Zeit an zwei, drei Stellen den Lack durch den Faltvorgang abgescheuert. Das Rad wurde mit Gepäckträger geliefert, der aber so tief montiert war, dass man eine Tasche nur in Fahrtrichtung transportieren konnte. Der Shimano-Nabendynamo lief (in der ersten Zeit) rund, Vorderlicht war gut, Rücklicht nur mit Batterie, was an kalten Tagen schnell dazu führte, dass die Strahlkraft der Diode stark nachließ. Eine Klingel fehlte und musste nachgerüstet werden.
Der Faltvorgang ging relativ leicht, man musste aber aufpassen, dass man sich an den Verschlüssen nicht die Finger klemmte (ist mir zweimal passiert). Mit 14 kg war das Gewicht des Dahons relativ hoch.
Innerhalb von zwei Jahren bin ich als Pendler mit dem Dahon etwa 2000 km gefahren und habe etwa sooft auch gefaltet.
Defekte: Zwei Platten hinten, einer vorne, der Nabendynamo von Shimano machte nach 1,5 Jahren Laufgeräusche, das rechte Pedal lockerte sich von Anfang an immer wieder. Immer nachgezogen, bis das Gewinde hin war. Am Hinterrad haben sich im Laufe der Zeit die Hälfte der Speichen gelockert (lag vielleicht an meinem Fahrstil?).
Fazit: Ein Faltrad mit mehr Licht als Schatten, für gelegentliche Einsätze gut geeignet, als Pendlerrad für jeden Arbeitstag nur bedingt zu empfehlen, da relativ schwer. Verarbeitung ziemlich gut, Preis-Leistungsverhältnis sehr gut.
2. Brompton H6
2014 gab es dann zum 50zigsten den Mercedes unter den Falträdern, das Brompton (diesmal vom Fachhändler in Köln) in racing green, 6-Gang-Nabenschaltung, mit Gepäckträger und Schutzblechen, Seitenständer, Dahon-Nabendynamo, 1.600 €. Vorneweg: Ich bin überzeugter Brompton-Fahrer geworden, aber auch bei diesem Kultrad gibt es neben dem Licht auch einigen Schatten.
Zuerst das Licht: Verarbeitung, Faltmechanismus und Faltmaß und Fahrstabilität sind herausragend. Und das relativ geringe Gewicht ist prima. Das Rad läuft wie auf Schienen, die kurzen geknickten Bremshebel gefallen mir äußert gut, Beleuchtungsanlage ist gut, vor allem das vom Dynamo versorgte Rücklicht. Gepäckträger kann man sich schenken, vor allem, wenn man sich eine Ortlieb-Tasche zulegt, die am nachträglich montierten Lenkerträgerblock befestigt werden kann.
Der Schatten: Der Normalsattel des Brompton ist (im Vergleich zu den Sätteln die ich am Dahon und Tern serienmäßig habe) ein mittlere Katastrophe, es hat einige Wochen gedauert, bis ich mich einigermaßen an das unbequeme Teil gewöhnt habe. Die Lenkergriffe aus dünnem Moosgummi sind ein echter Witz, auch da sind die Asiaten Brompton Lichtjahre voraus. Vielleicht sollte Brompton mal den Zulieferer wechseln...
Und dann die legendäre 6-Gang-Stormey-Archer-Schaltung. Angefangen von den links und rechts am Lenker montierten Ziehschaltern wie aus den 80zigern. In der ersten Zeit muss man immer gut überlegen, welchen Hebel man ziehen muss. Und ob man im zweiten oder dritten Gang ist oder im vierten oder fünften, kann man ja nur spüren, es wird ja nirgens angezeigt. Im Ernst, eine Drehgriffschaltung ist garnicht so verkehrt. Außerdem ist die Schaltung wirklich hakelig. Meiner Meinung nach ist die Schaltung des Bromptons alles andere als ein technisches Meisterwerk. Mit dieser nostalgischen Schaltanlage beim Brompton bin ich nicht wirklich warm geworden.
Wie ich schon erwähnte, ist die Fahrstabilität des Brompton sehr hoch. Da es sich empfiehlt, die Reifen immer auf 7 bar Luftdruck zu fahren, ist der Fahrkomfort nur auf glatter Fahrbahn gut. Auf leicht unebener Strecke oder Kopfsteinpflaster können einem schon die Gläser aus der Brille fallen, weil das Brompton jede Erschütterung an den Fahrer eins zu eins weitergibt. Außerdem muss man mindestens 1x pro Woche nachpumpen, da die Reifen in einer Woche über 1 bar Druck verlieren. Beim Dahon war der Verlust wesentlich geringer.
Ich habe das Rad 2,5 Jahre gefahren, etwa 3.000 km dürften es gewesen sein, Pendlerstrecke bei Wind und Wetter.
Defekte: Zwei Platten hinten, einer vorne, hinten nach 3000 km den Mantel gewechselt. Der Seitenständer (obwohl beim Brompton-Fachhändler gekauft) war echter Schrott, nach kurzer Zeit ließ er sich nur noch mit Gewalt einklappen, dann zerbrach auch noch das Kunststoffgehäuse, wo die Feder drinsitzt. Nach der Demontage war dann auch noch die Farbe an der Hinterradschwinge am Befestigungspunkt restlos weg. Das Kabel vom Vorderlicht ist am Faltscharnier des Rahmens ungünstig verlegt und riss dann nach kurzer Zeit.
Anfang Juli wurde das Rad bei einem Unfall zerstört, der Versicherungsfall läuft. Im Augenblick bin ich ohne Brompton, werde mir aber bald ein neues zulegen.
Fazit: Als Pendlerrad ist das Brompton sehr zu empfehlen. Das kleine Faltmaß ist besonders in vollen Straßenbahnen ideal. Der Faltmechanismus ist sehr einfach konstruiert, da wackelt nix und kann auch nichts kaputtgehen, auch die Faltzeit ist sehr kurz, das Gewicht des Rads (in der Ausstattung 12,5 kg) gut. Die Fahrstabilität ist überragend, wie bei einem großen Rad, der Fahrkomfort aber ist eher gering, mehr was für Leute, die es härter mögen.
3. Tern Eclipse 7Pi
2014 habe ich mir das Tern gekauft, da es ein Auslaufmodell war und es beim Händler meines Vertrauens nicht mehr erhältlich war, ging der Kauf nur übers Internet. 1.200 € hat es gekostet, in grauer Lackierung, mit Schutzblechen und Gepäckträger, 7-Gang-Shimano-Nexus-Nabenschaltung, Shimano-Nabendynamo aber auch nur ein Batterie-Rücklicht.
Grundsätzlich unterscheidet sich das Tern von den beiden vorgenannten Falträdern in der Radgröße. Es hat 24-Zoll-Räder, der Fahrkomfort ist ungleich besser als bei Rädern mit 20-Zöllern. Das Tern habe ich mir aus Komfortgründen und für Tage, wenn ich die gesamte Strecke zur Arbeit und wieder zurück fahren möchte.
Das Positive zuerst: Naturgemäß hat das Tern den höchsten Fahrkomfort, die Schwalbe Big Apple sind traumhaft. Traumhaft ist auch die Nexus-Nabenschaltung mit Drehgriff, butterweich und doch exakt, besser geht es nicht. Schön ist (eigentlich, siehe nächster Punkt) der völlig variabel verstellbare Lenker und auch die ergonomisch geformten Griffe von Biologic sind 1A. Die kurzen gewinkelten Bremsgriffe liegen gut an den Fingern, pfiffig ist die in den linken Bremsgriff integriete Klingel, mit der man auch schön sturmklingeln kann!

Der Sattel von Como ist hervorragend.
Falten lässt sich das Tern Eclipse gut, ist aber mit fast 16 kg und dem großen Faltmaß eher was für kräftige Leute.
Das Negative: Die Verarbeitung des Terns lässt für ein Fahrrad dieser Preisklasse doch ziemlich zu wünschen übrig. Da Firmenzeichen am Lenkerkopf fiel schon nach kurzer Zeit ab, weil ein Plastikclip brach. Der Seitenständer wippt während der Fahrt hin und her und macht lustige Geräusche. Das Gehäuse der Vorderlampe besteht aus superdünnem biligsten Plastik, der untere Gehäusedeckel ist schon mehrfach abgefallen. Der Plastikring, der die Schaltungsanzeige ummantelt, ist an seiner Nahtstelle gebrochen. Wenn man den Lenker beim rangieren stärker nach links einschlägt, verfangen sich die zusammengebundenen Bremskabel zwischen Vorderrad und Schutzblech. Die größte Schwachstelle scheint mir aber die Klapphalterung des Lenkers zu sein. Die Halterung lockert sich schnell, dann knarrt der Lenker beim Fahren. Man kann aber die Schrauben nicht wirklich festziehen, denn dann bekommt man den Verschluss nicht mehr auf und kann den Lenker nicht mehr einklappen. Außerdem, hat man die Schrauben richtig angezogen, sodass nichts mehr wackelt, kann man die Klapphalterung nicht mehr schließen, weil die langen Gewinde der beiden Schrauben den Verschluss dann blockieren.
Auf den ca. 400 km hatte ich mit dem Tern noch keine Panne oder Verschleiß.
Fazit: Das Rad mit dem größten Fahrspaß, aber auch den größten Mängeln. Ich mag es aber dennoch. Als reines Pendlerrad ist es eher nicht zu empfehlen, da zu schwer und zu groß.
So, das war es vorerst von meiner Stelle, ich hoffe, dem einen oder anderen weitergeholfen zu haben,
viele Grüße
Björn aus Köln