Hallo weinbergschnecke,
ich meine, Du berührst mit diesem Thema etwas, das viel tiefer die Ausrichtung unserer (und auch fremder) Gesellschaft berührt als es im ersten Moment erscheinen mag.
Es ist die Frage nach der Beurteilung von technischen Gegenständen , die ihren Platz in unserer Gesellschaft gefunden haben wie zB Auto, Kühlschrank, Fernseher und natürlich Fahrrad, die ihre Existenz der Arbeitsteilung verdanken und folglich nur von vielen in Teilbereichen hergestellt werden. Damit geht einher, daß die Kenntnisse der Herstellung gewisser Dinge (Die sicherlich beste Vorraussetzung für die Beurteilung) automatisch nicht vorhanden sind (Der Einzelne kennt nur noch Teile, nicht aber das Ganze !), sondern von anderen erworben werden müssen (Kostet Schweiß,Mühe und Ausdauer). Gleichzeitig sorgt eine Rendite- Fokussierung dafür, daß die Weitergabe von Know-How die Rendite natürlich schmälert und als lästige Pflicht verkürzt wird oder ganz unterbleibt.
Auf das Fahrrad (wie für andere Güter) bezogen heißt das, eine Beurteilung kann nur nach äußerem Anschein erfolgen. Die Vertrautheit mit dem Radl von Kindesbeinen an tut ihr Übriges. Man ist verleitet, die Technik des Radls zu unterschätzen und hat am Ende ebenso wie der Verkäufer nur begrenzte Kenntnisse dieser Technik. Beim Baumarkt-Verkäufer muß man davon als Regelfall ausgehen. Heute verkauft er Farben, morgen Schrauben und übermorgen Sanitärdichtungen. Ein professioneller Radhändlier könnte (sollte) bessere Kenntnisse haben. Ist in 85 % (geschätzt nach eigenen Erlebnissen ) aller Fälle nicht der Fall. Die Hersteller sorgen zugleich mit einer Pseudo-Innovation dafür, daß selbst begrenzte Erfahrungen des Einzelnen nicht verwertet werden können, da es die Produkte nicht mehr gibt. Da steckt sicher Kalkül dahinter. Zeit für Beratung bleibt in der schnellebigen Zeit nicht. Wie sonst kann es sein, daß 70% aller Radler über Sitzbeschwerden klagen. Mit der richtigen Position auf dem Rad und dem richtigen Sattel sind diese Beschwerden kein Thema (Auch ein Faltrad ist genauso Langstrecken-tauglich > 100 km wie andere Räder).
In diesem Bezug muß man das schizophrene Verhalten der Radl-Käufer auch anprangern : Man gibt leicht 100 € für ein Fußballspiel, ein Pop-Konzert oder 2 x mal ein gutes Essen aus, will für einen Sattel aber nur 10 € auf den Tisch legen. Das kann nicht funktionieren. Lieber fährt man jahrelang mit Sitz- oder Rückenbeschwerden durch die Gegend, oder fährt gar nicht (Es tut ja weh !).
Mir unverständlich, stelle ich fest, daß es einen ausgeprägten Hang zur Beratungs-Resistenz und Besserwisserei gibt, der sich umgekehrt proportional zu dem Wissen und den intellektuellen Fähigkeiten des Betreffenden verhält : Ergebnis der exzessiven Medien-Berieselung mit falschen Vorbildern ?
Natürlich spielt der Einsatzzweck des Radls (Faltradls) eine große Rolle : Wer nur ein Campingrad (Brötchen-Bringer) haben möchte, kann einige Abstriche machen (Schaltung, Nabendynamo, etc ...), aber eben nicht überall, und dabei Geld sparen. Immer sollte man auf eine gute Qualität achten (Gutes Rad ist zwar nicht teuer, hat aber seinen Preis) und deswegen habe ich mal vorgerechnet, was man für ein Faltrad ausgeben sollte.
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Fazit : Unter 600 € geht eigentlich gar nichts und teurer als 1500 € (Ein Faltrad für alle Fälle) braucht es auch nicht sein. Natürlich kann man zusätzlich schnell mal 1000 € oder mehr für Spezial-Leichtbauteile verbraten.
MfG EmilEmil