Hallo Rone, der von Dir genannte "übliche Trick" , um höher zu sitzen, ändert an der Festigkeit gar nichts. Genausogut kannst Du auch die Sattelstüze um die entsprechenden Zentimeter herausziehen.( Die Stützen-Hersteller sehen oft 100 mm Einschub vor, während die Rahmenhersteller für den Klemmbereich 60 mm forden; damit sind 40 mm eigentlich übrig ).Rone hat geschrieben:Hallo Stahlhans,
Der übliche Trick von uns Zwergen (ich bin 188cm klein) ist, einen hoch bauenden Sattel zu montieren. Meiner ist unten in der Signatur genannt. Damit komme ich gut klar.
Auslegungskriterium einer Sattelstüze sind die Biegespannungen in der Umgebung der Klemmung im Sitzrohr. Da die Sattelstützen bei allen Rädern aus ergonomischen Gründen etwa im Winkel von 74 Grad zur Fahrbahn stehen ( Kleinere Winkel bei Cruisern, Hollandrad-Panzern oder das Flux ; = Vertreter des konstruktiven Wahnsinns), während die Gewichtsbelastung 90 Grad zur Fahrbahn steht, ergeben sich Biegemomente, deren Größe sich als Produkt Kraft (Gewicht) mal Hebelarm darstellt. Ohne auf die Einzelheiten im Detail einzugehen : Ein anderer ( = höherer) Sattel vergrößert den Hebelarm genauso wie wenn ich die Stütze weiter herausziehe und den alten Sattel beibehalte. Wovon Du lebst, ohne Schaden zu nehmen, ist die bezüglich der Festigkeit eingebaute Sicherheit. Erstes Kriterium ist, daß die statische Belastung (Gewicht) unter einem Grenzwert ( Fließspannung, Technische Fließspannung) bleibt. Nach Überschreiten der Fließspannung treten bleibende Verformungen auf, die unzulässig sind. Hier baut man eine Sicheheit ein, die sich so äußert, das eine vorhandene Belastungsspannung nur einen Prozentsatz einer zulässigen Spannung (zB Fließgrenze oder auch Dauerfestigkeit) ausnützt. Klar ist auch, daß der schwerere Fahrer die Sattelstütze stärker belastet. Und da der schwerere Fahrer häufig auch größer ist, kommen dann alle ungünstigen Radbedingungen zusammen.
Bei meinem 24" Falter war zuerst eine Sattelstütze aus Stahl in Baumarktqualität (St 37 ?) verbaut, die im ersten Jahr (schon fast 30 Jahre her und ich war ein Jüngling von schlanker Statur (71 kg) ) von einem Zylinder in eine Bananenform mutierte. Diese Stahlstütze wurde durch eine Patentsattelstüze aus Alu-Legierung (6061 T6, T6 ist eine Wärmebehandlung) ersetzt. Seitdem herrscht Ruhe an der Verformungsfront. Ein Beispiel für leichter und trotzdem Betriebs-sicherer. Dies ist beileibe kein Plädoyer gegen den Werkstoff Stahl und für den Werkstoff Aluminium. Mein Plädoyer geht nur in die Richtung, "Wenn ich konstruiere, sollte ich schon genau wissen, was ich tue".
Übrigens, mir sind bisher nur Sattelstützen mit konstanter Wandstärke begegnet, Leichtbau-technisch sinnvoll ist eine Sattelstütze, die vom Knauff bis zur Klemmung eine Konifizierung (zunehmende Wandstärke), dann einen kleinen konstanten Teil und wiederum eine Konifizierung (Auslauf zu einer kleineren Wandstärke) im Klemmteil besitzt. Kennt jemand solche Teile ?
MfG EmilEmil