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Radfahren in Berlin

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Pibach
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Re: Radfahren in Berlin

Beitrag von Pibach » Sa 9. Mär 2019, 06:30

Motte hat geschrieben:
Fr 8. Mär 2019, 09:34
In modernen demokratischen Gesellschaften hat der Staat eine Schutzfunktion für den Bürger zu übernehmen und das Handeln des Einzelnen (auch gegen seinen Willen) in vernünftige Bahnen zu lenken.
Das setzt so wie Du das formulierst imho falsche Prioritäten. Der Staat hat sich weitest möglich aus der freien Entscheidung seiner Bürger rauszuhalten. Regulierung bitte nur da, wo es sonst wirklich zu relevanten Reibungsverlusten käme.

Dass etwas gegen den Willen des Einzelnen durchgesetzt werden müsste, halte ich für schwarze Pädagogik. Wenn der Einzelne etwas nicht möchte, ist das deutlicher Hinweis darauf, das etwas an den Zuständen nicht stimmt. Dem sollte man erstmal nachgehen, statt das als ganz normal anzunehmen.

Eigentlich sollte es in einer Demokratie einen offenen Diskurs geben, in dem über Aufklärung und Austausch von Argumenten man zu einer Einigung auf Verhaltensmaßstäbe kommt. D.h. die staatlichen Regeln repräsentieren gesellschaftlichen Konsens zu bestimmten Normen. Und jeder Einzelne ist dann idealer Weise auch damit einverstanden oder beugt sich zumindest grundsätzlich dieser gesellschaftlichen Übereinkunft.

In der Praxis sind die Prozesse allerdings ganz andere und Gesetze und Regel praktisch immer im Sinne irgendwelcher Lobbygruppe und dienen in erster Linie der Absicherung von Einnahmen und nur selten dem gesellschaftlichen Interesse.
Das heißt für mich, dass man die Verhältnismäßigkeit insgesamt im Auge behält.
Um mal ein konkretes Beispiel zu nennen: E- Tretroller wegen ihrer Gefährlichkeit zu verbieten aber tatenlos zugucken wie „LKW`s“ Menschen totfahren, weil die Fahrer ja schließlich „nix“ sehen beim Abbiegen – das passt nicht zusammen. „Faszinierend“ würden Mr. Spok belustigt zu so einer Unlogik sagen.
Das Problem gehört gelöst – und zwar schnell.
Sehr gut gegenübergestellt!

Vor allem vergisst unsere Bewertung der "Gefährlichkeit" völlig das eingebrachte Risiko. Ein Auto bringt ja etwa das 100-fache Risiko eines Fahrrades in den Verkehr ein. Das ist der statistische Wert, um den die Zahl bzw. die Schwere der Unfälle steigt, wenn mein ein Fahrzeug hinzufügt. Dieser entscheidende Wert wird ja nie gemessen (was natürlich auch schwierig wäre). Sondern nur geschaut, wer in Unfällen verletzt wird . Und da werden eben häufig Radfahrer (und Fußgänger) verletzt. Dann wird behauptet, dass Radfahren gefährlich sei. Reichlich absurd.

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Re: Radfahren in Berlin

Beitrag von Motte » So 10. Mär 2019, 09:01

Also bevor ich viel Zeit und Energie dem Schutz der Familie/Stadt widme, akzeptiere ich lieber das Gewaltmonopol des Staates. Auch wenn der mich dann nicht mit meiner Lieblingshellebarde in den Linienbus lässt. (das meinte ich mit "gegen den Willen des Einzelnen")
In einem Land wo jeder seinen Willen durchsetzt möchte ich nicht leben - das ist mir zu anstrengend.

Ich hatte neulich wieder so ein "Aha" Erlebnis. Fahre auf eine Kreuzung zu und will in eine Vorfahrtsstraße mit beidseitigen Radwegen nach links einbiegen. Von Links kommt (neben zahlreichen Autos) eine Radfahrerin auf dem Radweg. Die hat Vorfahrt - also warte ich. Sie biegt aber vor der Kreuzung auf den Gehweg ab. Will gerade los, die Lücke auf der Fahrbahn nutzen - da schießt vom Gehweg (von Rechts als "Geisterfahrer" - die war vorher nicht zu sehen- vermutlich vom nahen Geschäft los gefahren) eine andere Radfahrerin über die Kreuzung und kollidiert fast mit der anderen, die in Höhe der Kreuzung dann doch wieder den Gehweg verlässt und in einem Bogen noch vor mir wieder auf den Radweg fährt. Und dann stimme ich dir innerlich immer zu - jaa - es wird viel einfacher, wenn sich keiner an Regeln hält und viiiel sicherer.

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Re: Radfahren in Berlin

Beitrag von Ch.Bacca » So 10. Mär 2019, 19:11

Motte hat geschrieben:
So 10. Mär 2019, 09:01
Also bevor ich viel Zeit und Energie dem Schutz der Familie/Stadt widme, akzeptiere ich lieber das Gewaltmonopol des Staates. ...
Volle Zustimmung!

Aber eigentlich schreibt Pibach ja auch nix anderes:
Pibach hat geschrieben:
Sa 9. Mär 2019, 06:30
... Und jeder Einzelne ist dann idealer Weise auch damit einverstanden oder beugt sich zumindest grundsätzlich dieser gesellschaftlichen Übereinkunft. ...
Im Grunde geht mir das "Immer gegen die Obrigkeit" irgendwie auf den Zeiger, weil nämlich genau das auch Reibungsverluste verursacht, die nicht nötig sind. Nicht, dass man ALLES hinnehmen müsste. Aber irgendwie auch die Verhältnismäßigkeit im Auge behalten.

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