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Berlin autofrei - erst mal temporär ;-)

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derMac
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Re: Berlin autofrei - erst mal temporär ;-)

Beitrag von derMac » So 11. Mai 2014, 22:48

Motte hat geschrieben:Bis jetzt erfüllt ganz offensichtlich (nur) das Auto in idealer Weise einen Traum des Menschen nach individueller Mobilität, weitgehend unabhängig vom Wetter und Fahrplänen. Da werden die "Nebenwirkungen" mehr oder weniger desinteressiert hingenommen. (Scheint beim Handy/Smartphone ähnlich zu sein). Ich glaube nicht, dass die Leute in nennenswerter Zahl ohne echte Not davon lassen wollen.
Mit einem guten Car-Sharing-System kann man ja zumindest in Ballungsgebieten jederzeit ein Auto haben ohne selbst eins zu besitzen. Das löst einige Probleme. Ich denke aber, dass der Grund für den Autobesitz sich nicht allein auf den Wund nach individueller Mobilität reduzieren lässt. Teilweise hat "der Mensch" sich einfach ans Auto gewöhnt und wir sind doch sehr Gewöhnungstiere. Außerdem kommen noch solche Gründe wir Statussymbol, (falsches) Sicherheitsgefühl und vieles mehr dazu.
Wenn das Existenzrecht von Radfahrern im täglichen Verkehr überall toleriert würde - wäre das meiner Meinung nach schon ein großer Erfolg.
Ja. Auch hier ist das IMO vor allem ein Gewöhnungseffekt. Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Straße den Autos "gehört". Und das wurde ja auch Jahrzehnte lang gefördert. Auch die Fördernden tun sich mit dem Umdenken noch immer schwer.

Mac

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Re: Berlin autofrei - erst mal temporär ;-)

Beitrag von alterfalter2 » So 11. Mai 2014, 23:06

@ derMac
"Außerdem kommen noch solche Gründe wir Statussymbol, (falsches) Sicherheitsgefühl und vieles mehr dazu."

..das scheint unter jungen Leuten zum Glück tatsächlich abzunehmen. Einige meiner jungen Kollegen lehnen ein eigenes Auto ab, obwohl sie sich es "leisten" könnten, meine eigenen Kinder könnten mein Fahrzeug kostenfrei (bis auf Sprit und Pflege) nutzen, tun es aber nicht, weil ein Carsharing-Auto zwar teurer ist, sie sich aber um rein garnichts kümmern müssen - das ist ihnen offensichtlich lieber. Als Statusymbol hat der PKW in diesen Kreisen ausgedient: man hat den schnellsten Rechner oder das raffinierteste und angesagteste Smartphone statt dessen und! ein schickes Fahrrad. Unlängst las ich, daß in Hamburg bereits einige Fahrschulen schließen mußten mangels interessiertem Publikum. Offenbar ist der Erwerb des Führerscheins für junge Leute nicht mehr so erstrebenswert - und dann auch zu teuer -- an sich eine erfreuliche Entwicklung.

Gruß TIL

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Re: Berlin autofrei - erst mal temporär ;-)

Beitrag von Pibach » Mo 12. Mai 2014, 00:10

Motte hat geschrieben: Ich glaube nicht, dass die Leute in nennenswerter Zahl ohne echte Not davon lassen wollen.
Das ist wohl sehr Schichten- und Regions-spezifisch. Hier in Berlin gibt es größere Bevölkerungsteile, die ohne Auto auskommen.
Das Auto hat auch seinen zentralen Platz als Statussysmbol oder Gesprächsthema völlig verloren.

Bin heute ja mit meinen schnellen Skates unterwegs gewesen. Auf der Straße machen einem die Autos sehr rücksichtsvoll Platz. Radfahrer fahren entspannt - alle bei Rot über die Ampeln. Ein paar sind mit Longboards unterweg, auch ein paar Liegeradfahrer, Tretrolle, solche Exoten sieht man Sonntags gehäuft rund ums Tempelhofer Feld. Ansätze des EcoMobility funktionieren in Kreuzberg bereits - von alleine. Zumindest an Wochenenden bei schönem Wetter...

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Re: Berlin autofrei - erst mal temporär ;-)

Beitrag von Adler28 » Mo 12. Mai 2014, 07:02

alterfalter2 hat geschrieben:..das scheint unter jungen Leuten zum Glück tatsächlich abzunehmen. Einige meiner jungen Kollegen lehnen ein eigenes Auto ab, obwohl sie sich es "leisten" könnten
Man ist so jung, wie man sich fühlt. Auch für mich (Mitte 50) hat das Auto längst seinen Reiz verloren. Es gibt sicher Gegenden, in denen man auf ein Auto angewiesen ist weil der ÖPNV so schlecht ist. Aber muss ich da hin? Nicht wirklich.

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Re: Berlin autofrei - erst mal temporär ;-)

Beitrag von Motte » Mo 12. Mai 2014, 07:24

Das Auto hat auch seinen zentralen Platz als Statussysmbol oder Gesprächsthema völlig verloren.
Wenn das auch nur annähernd für einen größeren Kreis der Berliner zutreffen würde, dann hätten wir hier außer dem ersten Beitrag und ein paar Zustimmungen keine Beiträge mehr. Tatsächlich scheint das Projekt aber noch vor Beginn gekippt zu sein. Doch wohl vordringlich aus Angst vor der Reaktion der Bevölkerung.
Natürlich könnte man in einer Großstadt wie Berlin weitestgehend auf das Auto verzichten. Das will aber ganz offensichtlich die Mehrheit nicht. Ich würde das auch nicht einfach abwertend auf Statussymbol (Gesellschaftsschichten) und Faulheit reduzieren. Es ist u.a. dieses "ich könnte wenn ich wollte" Gefühl. (nach der Arbeit den Großeinkauf machen - zum 30 Km entfernten Obi, eine Schraube kaufen, spontan nach Budapest in Urlaub fahren etc.). Wenn "wir" Jacken, die für Bergsteiger genäht wurden, auf dem morgendlichen Weg zum Bäcker tragen, geben wir diesem Drang ja ebenfalls nach. Finde ich auch nicht schlimm - es geht ja nur um eine Erklärung, warum die Mehrheit an ihrem Auto hängt. Deshalb hab ich das auch mit dem Handy verglichen - natürlich kann man wie der "Alpöhi" leben - die Mehrheit möchte aber offensichtlich jederzeit mit Jedem "in Kontakt treten" - das Produkt hat scheinbar auch ein Grundbedürfnis gestillt.

Dass es den Statistiken nach eine vorsichtige Trendwende unter Jugendlichen gibt ist auch richtig. Von "Abkehr" sind wir aber noch weit entfernt. Man darf sich nicht davon blenden lassen, dass es im Mikrokosmos der eigenen Bekanntschaften andere Mehrheitsverhältnisse gibt. Gleiches gilt für die eigene Wahrnehmung von Trends. Es gibt einfach weniger Kinder - da braucht es neben Spielplätzen und Schulen `s künftig halt auch weniger Fahrschulen. Berlin zehrt vermutlich auch noch von einer "asymmetrischen Entwicklung ", bedingt durch die damalige Insellage. Mehrere Generationen haben sich halt anders einrichten müssen. Ob "ihr" das nutzen könnt und eigene, neue Wege geht, ist ja das Spannende an der Geschichte.

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Re: Berlin autofrei - erst mal temporär ;-)

Beitrag von Pibach » Mo 12. Mai 2014, 08:48

Motte hat geschrieben:...dass es im Mikrokosmos der eigenen Bekanntschaften andere Mehrheitsverhältnisse gibt.
Ja, das hast Du völlig recht, klare Mehrheit ist auch in Berlin autophil und die paar Trends zum Rad und zu Alternativen beschränken sich auf bestimmte Gruppen (Studenten usw.) und auch auf begrenzte Stadtteile. Man muss in Berlin nur mal kleines Stück in die Peripherie, schon gibt es überhaupt keine Radfahrer mehr. Und auch kaum Verständnis für diese.

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Re: Berlin autofrei - erst mal temporär ;-)

Beitrag von derMac » Mo 12. Mai 2014, 09:37

Motte hat geschrieben:Ich würde das auch nicht einfach abwertend auf Statussymbol (Gesellschaftsschichten) und Faulheit reduzieren.
Ich hatte ja gerade versucht das nicht auf einen Grund zu reduzieren sondern zu zeigen, dass das Problem vielschichtig ist. Bedürfnisse werden übrigens auch "erzeugt", die sind nicht einfach nur schon immer da. Das ist alles sehr komplex.
Wenn "wir" Jacken, die für Bergsteiger genäht wurden, auf dem morgendlichen Weg zum Bäcker tragen, geben wir diesem Drang ja ebenfalls nach.
Oder wir tragen sie einfach, weil sie im Gegensatz zu dem ganzen Modezeuch gut zu tragen sind (obwohl die angeblich für Bergsteiger genähten Jacken ja inzwischen auch nur Modezeuch sind).

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Re: Berlin autofrei - erst mal temporär ;-)

Beitrag von superfalter » Mi 14. Mai 2014, 08:02

Der Damm für mehr Fahrradmobilität wird noch brechen. Daher immer wieder probieren, bis die Holzköppe von Politiker endlich mal ein Licht leuchtet statt ewiger Dunkelheit.
Schon blöd wie die "Angst" vor Immobilität durch den Wegfall eines Autos viele Menschen beherrscht. Ich denke durch öfteres erstmal kostenfreies Anbieten von Testwochen in den denen Autofahrern Angebote gemacht werden auf ihr Auto mal zu verzichten, könnte helfen zusammen mit immer wieder Aktionen. Bei mir war es anfangs auch nicht anders. Das Auto wurde nicht in Frage gestellt und ein Fahrrad war ein Freizeitgegenstand.
Die Umgewöhnungsphase war dann doch schneller, auch wenn der Regen manchmal genervt hat.

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Re: Berlin autofrei - erst mal temporär ;-)

Beitrag von Motte » Mi 14. Mai 2014, 15:12

Wenn man selbst kein Auto hat (so wie ich seit langer Zeit), dann tut man gut daran zu versuchen jene zu verstehen, die sich anders entschieden haben. Und diese Entscheidung erst einmal zu akzeptieren. Jedenfalls dann, wenn man sie auf den Weg in eine Welt mit weniger Autos mitnehmen möchte.

Erst einmal ist der Frust beim täglichen Pendeln mit dem Auto noch lange kein Garant dafür, dass Radfahren nun plötzlich als etwas Positives empfunden werden muss. Und dann gibt es auch eine Menge „vernünftige“ Gründe, warum „Normalmenschen“ lieber Auto fahren als Rad. 40 Km/h als Durchschnitt (in der Stadt) sind halt schneller als 12 oder 15 Km/h. Eine regendichte warme Zelle ist sicher auch für die Mehrheit angenehmer als mit dem Rad in feuchtkalten Klamotten morgens durch die Pfützen zu rauschen. Vom Überwinden von Steigungen und Gegenwind mal gar nicht zu reden. Gepäckmitnahme und der „gute Anzug“ sind beim Auto kein Problem.
Es ist – unterm Strich – für einen Radfahrer mehr zu organisieren, wenn er das Gleiche erreichen will.

Das darf man nicht ausblenden, wenn man dafür plädiert die Fahrten mit dem KFZ einzuschränken. (Bzw. es anderen abverlangen will).


Für mich ist aber zentraler Punkt, dass die Alternative positiv besetzt sein muss. Ich nehme (wenn überhaupt) das Radfahren im Alltag auf mich, wenn ich dadurch etwas gewinne. Und das muss für einen Normalmenschen erreichbar sein. Nun sind wir ja nicht in „Stunde Null“, wo KFZ und Fahrrad gleichberechtigt ein Rennen um die Gunst der Nutzer beginnen. Die Infrastruktur für das KFZ wird seit 60 Jahren ausgebaut. Wenn Radfahren seine Vorteile ausspielen können soll, dann müssen dafür auch die Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Radfahrer angstfrei und sicher unterwegs sein können.
Das beißt sich sicherlich mit den Forderungen eingefleischter Alltagsradler. Aber Menschen, die im Winter im T-Shirt mit bloßen Händen Holz spalten und natürlich mit Durchschnittstempo 40 auf dem Rad in der Stadt auf der sechsspurigen Straße stressfrei über drei Spuren wechseln, sind für die Masse kein erstrebenswertes Vorbild. (mal so rumgewitzelt :mrgreen: )

Von daher ist die Grundidee ja gar nicht so verkehrt – zur Eingewöhnung, als Experiment – mal eine autofreie Schutz - Zone zu schaffen. Ich fürchte nur, dass die meisten Bewohner eben nicht so weit sind, das zuzulassen. Da hätte man sich (deshalb auch meine Einwände) mehr Mühe geben sollen im Vorfeld die betroffenen Bürger mitzunehmen und erst einmal für diese Idee grundsätzlich zu begeistern. Da kann Sponsoring ungemein helfen. Ich erinnere mich an eine Sendung in welcher der MDR sechs Familien mit unterschiedlichen Rädern für eine Weile ausstattete und sie die Räder testen ließ. (Da machen dann eh nur welche mit, die dem Ganzen gegenüber aufgeschlossen sind). 4 Familien sind aber nach MDR Bericht – später dabei geblieben. Und Elektromobilität ist besser als gar kein Fahrrad. So mancher (einer der Väter z.B. i dem Bericht) findet dadurch zum muskelkraftbetriebenen Rad zurück.

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Re: Berlin autofrei - erst mal temporär ;-)

Beitrag von derMac » Mi 14. Mai 2014, 15:38

Es geht IMO gar nicht um "Auto oder Fahrrad" und noch nicht einmal um "Auto oder irgendwas anderes". Es geht um weniger Auto in Verbindung mit gesteigerter Lebensqualität. Man muss den Menschen zeigen, dass weniger Auto mehr Lebensqualität bedeuten kann. Der Rest kommt dann (fast) von allein. Dazu gehört nicht nur bessere Infrastruktur für alle nicht Autofahrer sondern bessere Erreichbarkeit für alle alltäglich wichtigen Dinge ohne Auto und eben auch stärkere Beschränkung größerer Verkehrsräume für Autos. Deshalb ist auch das einfache Ersetzen von Vergaserkraftstoffautos durch Elektroautos überhaupt keine Lösung des Problems.

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