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Fahrräder für 40.000 Euro gestohlen

allgemein zum Thema Fahrräder
Motte
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Re: Fahrräder für 40.000 Euro gestohlen

Beitrag von Motte » Do 18. Sep 2014, 08:15

Zum Typ Hollandrad. Den findet man weltweit. Er dürfte einer der meist verkauften Radtypen sein. Er prägt immer noch durch seine schiere Anzahl das Bild am Niederrhein, im Münsterland, in weiten Teilen Norddeutschlands und den Niederlanden.

Ich persönlich bin mit diesem Radtyp nicht warm geworden - mir liegt der "irgendwie" nicht. Man hat so eine Art Schiebetritt und sitzt sehr aufrecht. Die Handgelenke sind zwar entspannt bei dieser Art "auf einen zulaufenden Griffen", aber Lenken hat so was "Tankerähnliches". Das sind aber persönliche Vorlieben, die man hat oder nicht hat. Sehr viele Menschen hier in der EU kaufen so ein Rad - obwohl sie Alternativen haben.

Da kann man natürlich mal "objektiv" fragen - warum die das tun. Dieses Rad muss etwas haben, dass andere Räder nicht so gut erfüllen.
Was es ist, weiß ich selbst nicht. Am mangelnden Know How der Radbauer wird es sicher nicht liegen - die Niederländer bauen in allen Sparten sehr erfolgreiche Räder. Ich kenne die Antwort nicht. Vielleicht kann da jemand helfen?

Hin und wieder wird man sicher auch verblüfft feststellen, dass die hohe Kunst des Maschinenbaus (oder der Ergonomie) in der Praxis gar nicht gefragt ist. Sei es aus modischen Aspekten, sei es, weil es keine Probleme im Alltag mit den "billigen" Lösungen gibt. Dazu fällt mir die ergonomische Katastrophe des geraden MTB Lenkers ein (der die Handgelenke optimal verdreht und seine Berechtigung eigentlich nur dort hat, wo der lange Hebel zum Lenken zwingend erforderlich ist) und auf der anderen Seite der alte Vorbau mit dem Spreizkonus unten - der hochgefährlich ist, aber dennoch nicht zu massenhaften Abgängen über den Lenker durch gesprengte Gabelschäfte geführt hat. Obwohl man früher nach einem Umfaller in der Regel einfach mit Gewalt den Lenker gerade gezogen hat. Das Ding ist über Jahrzehnte so verbaut worden. Die Änderung (Keilklemmung) kam meines Wissens nach über den Radsport.

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Re: Fahrräder für 40.000 Euro gestohlen

Beitrag von Pibach » Do 18. Sep 2014, 08:18

EmilEmil hat geschrieben: Ich bringe nur ein Bild, wie ein Zeit-gemäßes "Hollandrad" aussehen könnte.
Was ist daran nun besonders?

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Re: Fahrräder für 40.000 Euro gestohlen

Beitrag von Pibach » Do 18. Sep 2014, 08:36

Motte hat geschrieben: Vielleicht kann da jemand helfen?
Theorie Nr 1: Hollandrad wird mehrheitlich von Damen gekauft, die auch mal gern mit Rock fahren. Da hilft der niedrige Durchstieg und die Verkleidung der Speichen. Außerdem lehnen die sich nicht so gern nach vorne. Der tiefe Durchstieg erlaubt auch Körbchen auf dem Gepäckträger. Das scheint auf vielen zu gefallen.

Theorie Nr 2: Nach vorne orientierte Haltung funktioniert erst gut ab kräftigem Tritt (entlastet die Hände und auch Druck auf den Sattel). Die sportliche Fahrweise erfordert dann auch höhere (und schmalere!) Sättel und ist etwas tricky, wenn man mit den Füßen auf den Boden möchte, den erreicht man dann nur mit den Zehenspitzen. Beim Bremsen muss man aktiv die Arme strecken und Körper etwas nach hinten verlagern, sonst gibt es schnell einen Abgang über den Lenker. Der schmale Sattel sollte auch in stetigen Wechsel mit Wiegetritt gefahren werden, um die Durchblutung im Dammbereich zu aktivieren. Wenn ich meine Räder mal verleihe an Fahrrad-ungeübte Verwandtschaft sieht man ganz gut, was die für Probleme bereits mit dem Aufsteigen und nicht umkippen beim Anfahren, sowie mit der ganzen Körperballance bei niedrigem Lenker und ungewohnter Bremswirkung haben. Fast alle Seltenradler denken auch, ein bequemes Rad müsse einen breiten, gepolsterten Sattel haben. Das funktioniert aber nur, wenn man eben etwas tiefer sitzt und etwas mehr nach vorne tritt.

Ansonsten liegt der Erfolg wohl vor allem am zeitlos-klassischen Image dieser Räder.

EmilEmil
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Re: Fahrräder für 40.000 Euro gestohlen

Beitrag von EmilEmil » Do 18. Sep 2014, 09:36

@P.Pibach,
richtig anschauen und mit bekannten Werten vergleichen, dann würdest Du feststellen, daß der typische "Moleskin-Panzer" über 20 [kg] auf die Waage wuchtet, und dieses Rad mit 14 [kg] angegeben ist.
Weiterhin ist das Holland-Felgenmaß von 635 [mm] ja vor allem im Hinblick auf ein leichtes Laufrad kontraproduktiv (Ich halte für ein Stadtrad, das alle 500 [m] wegen einer Ampel gebremst und beschleunigt werden muß, 26" Laufräder mit 32 Speichen für sinnvoller. Für kleinere Menschen (Auf der Welt ist der Durchnitt unter 1,70 [m] groß ?; in Westeuropa und Anglo-Amerika gilt das nicht für die Männer ) ist ein kleineres Laufrad-Maß ebenfalls sinnvoller. Die Zahlen über Durchschnittsgrößen hab ich aber nicht nachgeschaut (keine Lust das nachzuschauen).
Um die Vorteile (Und um die Nachteile ?) der kleineren Laufräder in der Stadt wissen eh nur die Faltradler, und davon auch nur die, die sich damit beschäftigt haben: Realistisch gesprochen, eigentlich gar keiner.
Weitere Verbesserungs-Möglichkeiten sind auch bei dem Beispiel (das soll nur die Richtung angeben) vielfach vorhanden. Stichworte zB Positions-Maße (Ergonomie), Rahmen-Material, Gewichts-Verringerung der Komponenten u.a.
Die Umorientierung im MtB-Bereich von 26" auf 29" (= 28"-Felgen mit dicken Reifen) oder 650 B (Felgenmaß 584 [mm]) zielt da auch in die falsche Richtung.
Und da die Damenwelt angesprochen wurde: Die meisten kaufen ein Fahrrad nur aus einem diffusen Bauchgefühl heraus und wollen sich nicht weiter damit beschäftigen und Technik (Ergonomie ?) interessiert sie gar nicht. Und dann fahren sie 25 Jahre den falschen Sattel und verinnerlichen, daß Radfahren schmerzhaft ist. Bei den Herren ist das auch nicht viel besser: Zwar beansprucht man gern "Technische Kompetenz", aber bei leichtem Kratzen an dieser Oberfläche bröckelt so einiges. Da frage man zB nach einer Allround-Entfaltung eines Mtb-Rades. "The answer, my friend, is blowing in the wind..." Das wundert natürlich nicht, denn zB bei den Händlern sieht es nicht viel besser aus.

Mfg EmilEmil

Pibach
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Re: Fahrräder für 40.000 Euro gestohlen

Beitrag von Pibach » Do 18. Sep 2014, 10:02

EmilEmil hat geschrieben:...Ampel gebremst und beschleunigt werden muß, 26" Laufräder mit 32 Speichen für sinnvoller.
Reifengewicht (mal 2) macht im Verhältnis zum Systemgewicht (incl. Fahrer) aber nicht so viel aus. Für Beschleunigung ist das nahezu vernachlässigbar. Vorteile kleiner Räder seh ich eher in der Manövrierbarkeit und Kompaktheit, das hilft vor allem in der Kombination mit ÖPNV und vielen Treppen. Viele Damen kriegen ihr (20kg?) Hollandrad gar nicht selber die Treppen zur UBahn rauf/runter.
26" Räder erlauben aber insgesamt eine leichtere und stabilere Konstruktion. Ich schätze das "Optimum" dürfte bei 24" liegen.
Gerade bei einem Tiefeinsteiger wären kleinere Räder wegen der Rahmengeometrie angebracht.
Die Umorientierung im MtB-Bereich von 26" auf 29" (= 28"-Felgen mit dicken Reifen) oder 650 B (Felgenmaß 584 [mm]) zielt da auch in die falsche Richtung.
Das wird ja durch Rennen ständig geprüft und bestätigt. Auf bestimmten Strecken ist man mit 29" tatsächlich schneller. Auf anderen mit 26". Das liegt aber im Promillebereich.

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Re: Fahrräder für 40.000 Euro gestohlen

Beitrag von Motte » Do 18. Sep 2014, 11:16

Ich hoffe ja, dass sich hier jemand als Fan der Omafiets outet und mal die Vorteile im Alltag beschreibt.

In der grauen Theorie könnte es der Vorteil sein, beim Ampelstopp mit den Füßen leichter auf den Boden zu kommen (die haben alle ziemlich nach hinten geneigte Sattelrohre) Hollandräder werden nicht in Wohnungen weg gesperrt oder über Treppen gezerrt. Die bleiben draußen stehen und dürfen daher ruhig schwer sein. Ruhiger (meinetwegen auch träger) Lauf ist sicher erwünscht.

Das Rad mit tiefem Einstige hatte ich gar nicht gemeint - Hollandräder gibt es ja auch mit klassischem Rahmen. Wobei ein 28 Zoll Rad mit beladenem Korb hinten als Tiefeinsteiger beim Einkauf praktischer ist.

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Re: Fahrräder für 40.000 Euro gestohlen

Beitrag von berlinonaut » Do 18. Sep 2014, 22:23

Motte hat geschrieben:Ich hoffe ja, dass sich hier jemand als Fan der Omafiets outet und mal die Vorteile im Alltag beschreibt.
Ich bin zwar auch kein Fan von den Dingern, eine Anwort kann ich Dir denke ich dennoch geben: Hollandräder sind robust und langlebig (dank einfacher Technik), wartungsarm (geschlossener Kettenschutz), wetterfest (tiefe Schutzbleche, Spritzschutz seitlich am Hinterrad), haben eine gute Zuladung (relativ stabiler Gepäckträger), "bequem" (hoher Lenker, chopperartige Sitzposition), haben einfache und gutmütige Fahreigenschaften und sind relativ preiswert. All das für die Räder der Kategorie "klassische Gazelle". Im Münsterland ist das Hollandrad quasi der Golf unter den Fahrrädern - fast jeder hat eines, mindestens in der Familie. Sozusagen das Standardrad. Besonders weit fährt man da und damit nicht - über 10km ist eher die Ausnahme - und Berge gibt es auch keine. Da fallen die ergonomischen und technischen Nachteile nicht so ins Gewicht. Wahnsinnig schnell muss es idR auch nicht voran gehen. Und nicht zuletzt ist das Hollandrad ein (Alltags-)Klassiker mit eindeutigem (konservativem) Design und hohem Wiedererkennungswert. Sobald es die Deichkrone hochgeht fängt man damit ja schon an zu fluchen. In ihrem angestammten Einsatzgebiet tun sie ihren Job durchaus gut.

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Re: Fahrräder für 40.000 Euro gestohlen

Beitrag von derMac » Do 18. Sep 2014, 22:35

berlinonaut hat geschrieben:Hollandräder ... hoher Lenker
Traditionell eigentlich nicht und für das "echte" Hollandradfahrgefühl ist ein hoher Lenker auch eher schlecht.

Mac, eigentlich auch kein Fan von den Dingern

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Re: Fahrräder für 40.000 Euro gestohlen

Beitrag von EmilEmil » Fr 19. Sep 2014, 15:48

berlinonaut hat geschrieben: ...........................
Ich bin zwar auch kein Fan von den Dingern, eine Anwort kann ich Dir denke ich dennoch geben: Hollandräder sind robust und langlebig (dank einfacher Technik), wartungsarm (geschlossener Kettenschutz), wetterfest (tiefe Schutzbleche, Spritzschutz seitlich am Hinterrad), haben eine gute Zuladung (relativ stabiler Gepäckträger), "bequem" (hoher Lenker, chopperartige Sitzposition), haben einfache und gutmütige Fahreigenschaften und sind relativ preiswert. All das für die Räder der Kategorie "klassische Gazelle". Im Münsterland ist das Hollandrad quasi der Golf unter den Fahrrädern - fast jeder hat eines, mindestens in der Familie. Sozusagen das Standardrad. Besonders weit fährt man da und damit nicht - über 10km ist eher die Ausnahme - und Berge gibt es auch keine. Da fallen die ergonomischen und technischen Nachteile nicht so ins Gewicht. Wahnsinnig schnell muss es idR auch nicht voran gehen. Und nicht zuletzt ist das Hollandrad ein (Alltags-)Klassiker mit eindeutigem (konservativem) Design und hohem Wiedererkennungswert. Sobald es die Deichkrone hochgeht fängt man damit ja schon an zu fluchen. In ihrem angestammten Einsatzgebiet tun sie ihren Job durchaus gut.
@berlinonaut, erstmal Dank für die Mühe, daß Du dich zum Verteidiger für das Oma-Flittchen zur Verfügung gestellt hast.
Einiges von den Mythen muß ich auf den Boden der Realität holen:
"Hollandräder" sind zu schwer, häufig wird das mit robust verwechselt. Ob sie langlebig sind ? Warscheinlich werden sie wenig gefahren wie die Klapprad-Katastrophen aus den 1970-ern. Kettenschutz = 4-mal (?) so schwer wie ein Chainglider und im Handling ein ganz schlimmer Finger. Das sorgt allerdings dafür, daß gar keine Wartung durchgeführt wird. Nun sind selbst bei 400 [km] im Jahr mit dem Moleskin-Kettenschutz ohne weitere Wartung die ersten 5 Jahre (bis 2000 [km]) abgedeckt. So kann man natürlich Wartungs-Armut auch definieren.
Tiefer Kotflügel gilt für vorn, ist aber zu tief (besser nur bis 23 [cm] über Fahrbahn plus Spritzschutz-Bürzel). Die Schutzblech-Strebe aus einem gekanteten Blechstreifen geht nun mal gar nicht. Leichter und wegen der "Bügelsteifigkeit" auch Deformations-fester ist eine Überlaufstrebe aus Alu. Hinten gibt es die seit tausend Jahren gebaute Rücklicht-Guillotinen-Anordnung, besser wäre ein verkürzter Kotflügel mit Spritzschutz-Bürzel und ein aus dem Guillotinenbereich nach vorn oben verlegtes Rücklicht.
Für den Gepäckträger gilt: schwer, aber nicht Seiten-steif. Da gibt es im Prinzip 6-Gelenke, die diese Seitenbewegung begünstigen (Da ist ein Dauerbruch einprogrammiert, man frage mal die Reiseradler!)
"Bequem" ist die Meinung von Radlern, die nur gelegentlich zum Einkaufen fahren, also extreme Kurzstrecke. Das gezeigte Bild (das schwarze Rad) ist nicht so ganz Holland-Stil. Der typische Hollandrad-Lenker ist ein englischer Gesundheitslenker, der dem Radler erlaubt, den Lenker mit einer Schubkarrenhaltung anzufassen. Dabei hängen die Oberarme parallel zur Vertikalen und die Unterarme sind nur leicht nach vorn gewinkelt. Deswegen ist der Lenker auch relativ weit unten und hinten; jedenfalls im Vergleich zu der sogenannten City-Haltung, die sich von der Hollandrad-Haltung durch ca 45 ° abgewinkelte Oberarme und parallel zur Fahrbahn ausgerichtete Unterarme unterscheidet, so daß der City-Lenker viel höher und weiter vorn eingestellt wird. Die Griffenden des Gesundheitslenkers sind fast parallel zu Längsrichtung. Der City-Lenker hat dagegen eher eine seitliche Ausrichtung, bei der die Griffenden zurückgebogen sind.
Die "bequeme" aufrechte Rumpfhaltung ist bei beiden Haltungen bezüglich der Bandscheiben kritisch zu sehen (Stichwort: Keine Körperspannung)
Das schwarze Rad ist quasi eine Mischung (Promenaden-?) aus Hollandrad und Cityrad (wegen des Lenkers ).
Und wenn ich dem Langsamfahrer (60 Watt ?) ein Rad zur Verfügung stelle, dann muß es bestimmt keins sein, bei dem er seine bescheidene Leistung nur unvollkommen auf die Tretkurbel bringt (Stichwort: Schiebetritt). Er will zwar nicht unbedingt schneller fahren, aber "leichter" fahren möchte eigentlich jeder und nicht schon bei 4 % Steigung absteigen.
"Im Münsterland ist das Hollandrad quasi der Golf unter den Fahrrädern"; das meinst Du doch nicht ernst: Der heutige Golf ist nach etlichen Generationswechseln technisch auf der Höhe der Zeit, während das Hollandrad-Flittchen auf Standard-VW-Käfer Niveau von vor der Währungsreform stehengeblieben ist. Insoweit müssen sich die Käufer neuerer Baujahre (seit 2000 ?) mal fragen, was bei ihnen schiefgelaufen ist. Regionen, in dem dem Hollandrad-Fanatismus gefrönt wird, gehören in meinem Weltatlas zu den "verdächtigen" Regionen (die unüblichen halt). So etwas gabs ja noch nicht einmal in Bayern !
Also von der Statik her finde ich den Rahmen mit der charakteristischen Hängebrückenform des Vorderrahmens interessant und er sollte für die Damenform auch eine vom Gewicht her günstige Alternative zu den Trapez-, Mixte- oder Einrohr-Rahmen sein. Schade eigentlich, daß die Hersteller so hartnäckig ihr Grattler-Image bestätigen.

MfG EmilEmil

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Re: Fahrräder für 40.000 Euro gestohlen

Beitrag von berlinonaut » Fr 19. Sep 2014, 23:05

EmilEmil hat geschrieben: @berlinonaut, erstmal Dank für die Mühe, daß Du dich zum Verteidiger für das Oma-Flittchen zur Verfügung gestellt hast.
:twisted: Advocatus Diaboli kann ich gut :roll:
EmilEmil hat geschrieben: Einiges von den Mythen muß ich auf den Boden der Realität holen:
Nur mal angenommen Du hättest recht mit Deiner Kritik: Das interessiert keine Sau. Das ist offensichtlich, schliesslich verkaufen sich diese Räder seit vielen Jahrzehnten. Davon sind mehr unterwegs als von fast allen anderen Rädern. Ganz scheisse können sie also nicht sein. Mythen sind das aus Deiner Ingenieurssicht, die noch dazu durch bergiges Geläuf geprägt ist. In der norddeutschen Tiefebene und benachbarten Landschaften sieht die Welt in jeder Hinsicht anders aus. Dort ist das Hollandrad das Synonym für "Fahrrad" und man muss schon einen guten Grund haben, was anderes zu kaufen. Und den gibt es in der Regel nicht. Zumal sich die einheimische Bevölkerung in Sachen Konservatismus nichts gibt mit der Bayerischen.

EmilEmil hat geschrieben: "Hollandräder" sind zu schwer, häufig wird das mit robust verwechselt. Ob sie langlebig sind ? Warscheinlich werden sie wenig gefahren
Du warst noch nie in Münster, oder? Die Teile werden täglich gefahren, das ganze Jahr hindurch und das reichlich. Wahrscheinlich mehr als die meisten Hightechräder für 2500 Euro mit ausgebufftester Technik, die morgen wieder veraltet ist und bricht, wenn man sie schief anguckt.
EmilEmil hat geschrieben: Kettenschutz = 4-mal (?) so schwer wie ein Chainglider und im Handling ein ganz schlimmer Finger.
Den Kettenschutz gab es schon als der Erfinder des Chaingliders noch ein Spermium war. Und es wird ihn wohl noch geben wenn dieser lange schon zu Grabe getragen ist. Und er funktioniert. Warum ändern?
EmilEmil hat geschrieben:Hinten gibt es die seit tausend Jahren gebaute Rücklicht-Guillotinen-Anordnung, besser wäre ein verkürzter Kotflügel mit Spritzschutz-Bürzel und ein aus dem Guillotinenbereich nach vorn oben verlegtes Rücklicht.
Ich weiss zwar nicht was Du mit Guillotine meinst aber auch das Rücklicht funktioniert seit Ewigkeiten. Und viele dieser Räder haben eine Stossstange vor dem Rücklicht in Form verlängerter Schutzblechstreben.
EmilEmil hat geschrieben:Für den Gepäckträger gilt: schwer, aber nicht Seiten-steif. Da gibt es im Prinzip 6-Gelenke, die diese Seitenbewegung begünstigen (Da ist ein Dauerbruch einprogrammiert, man frage mal die Reiseradler!)
Das sind keine Reiseradler sondern Alltagsradler. Und da bricht nix in der Praxis, auch wenn das dem Ingenieur unglaublich scheint.
EmilEmil hat geschrieben: Die "bequeme" aufrechte Rumpfhaltung ist bei beiden Haltungen bezüglich der Bandscheiben kritisch zu sehen (Stichwort: Keine Körperspannung).
Der gemeine Hollandradler liebt den aufrechten Ritt. Eine gerade Haltung ist im norddeutschen ein Zeichen von Rückgrad, von Kindesbeinen trainiert und der Hollandradler fährt wie weiland ein Herrenreiter. Münsterland ist Pferdeland. Mit dem Hollandrad bist Du immer richtig angezogen in der dortigen Landschaft und reitest stilvoll aufrecht Dein Stahlross, den Blick gen Horizont gerichtet. Damit fährst Du zum Edeka, in die Kneipe, in die Uni, zur Arbeit und auch in die Oper. Und cruist aufrechten Rückens durch die Landschaft, unterhältst Dich mit dem Nebenmann und wenn Du Glück hast hast Du Rückenwind - das gibt dann richtig Schub. Im Blaumann wie im Abendanzug. Da bläst kein Wind in das ob gebeugter Haltung aus der Hose gerutsche Shirt und das Haupt senkt man nur in der Kirche, aber ganz sicher nicht vor einem Fahrradlenker. Das ist kein Hightech, das ist kein Sport, das ist Fortbewegung im Alltag.
EmilEmil hat geschrieben: Und wenn ich dem Langsamfahrer (60 Watt ?) ein Rad zur Verfügung stelle, dann muß es bestimmt keins sein, bei dem er seine bescheidene Leistung nur unvollkommen auf die Tretkurbel bringt (Stichwort: Schiebetritt). Er will zwar nicht unbedingt schneller fahren, aber "leichter" fahren möchte eigentlich jeder und nicht schon bei 4 % Steigung absteigen.
Wie gross ist denn der Unterschied tatsächlich? Interessiert das irgendwen? Steigungen von 4% kannst Du vor Ort mit der Lupe suchen und dann ist da immer noch der Rückenwind... Die Räder sind durchaus flott unterwegs in ihrem Einsatzbereich. Ganz ohne Papageiengewand beim Fahrer.
EmilEmil hat geschrieben:"Im Münsterland ist das Hollandrad quasi der Golf unter den Fahrrädern"; das meinst Du doch nicht ernst: Der heutige Golf ist nach etlichen Generationswechseln technisch auf der Höhe der Zeit, während das Hollandrad-Flittchen auf Standard-VW-Käfer Niveau von vor der Währungsreform stehengeblieben ist. Insoweit müssen sich die Käufer neuerer Baujahre (seit 2000 ?) mal fragen, was bei ihnen schiefgelaufen ist.
Wer missverstehen will der tut es halt. Golf war auf Verbreitung und auf Selbstverständlichkeit der Kaufentscheidung gemünzt, nicht auf technologische Weiterentwicklung. Wer ein Hollandrad kauft macht nichts falsch und muss nicht nachdenken. Klar gibt es "bessere" Räder, aber wer braucht das schon. Und es ist wie gesagt ein Klassiker. Gerne auch kombiniert mit Tweedjacket oder Barbourjacke. Entwicklungen gab es übrigens durchaus: Beispielsweise wurden die Bremsen von Gestängegesteuert auf Seilzug umgestellt. Und das praktische, leichte runde Rahmenschloss am Hinterbau verdanken wir dem Hollandrad. Sicherheitstechnisch ein Witz aus Ingenieursicht - im Alltag für den Besuch beim Bäcker ausreichend und viel praktischer als ein 2 Kilo-Klopper, der den Gewichtsvorteil eines flotten Flitzers gleich wieder demoliert.
EmilEmil hat geschrieben: Regionen, in dem dem Hollandrad-Fanatismus gefrönt wird, gehören in meinem Weltatlas zu den "verdächtigen" Regionen (die unüblichen halt). So etwas gabs ja noch nicht einmal in Bayern !
Fanatisch bist hier nur Du. Die Berge beschränken halt doch den Horizont. Viel bedenklicher finde ich, dass dort Bier in 0,2 Gläsern verkauft wird und manchmal sogar in 0,1.
EmilEmil hat geschrieben: Also von der Statik her finde ich den Rahmen mit der charakteristischen Hängebrückenform des Vorderrahmens interessant und er sollte für die Damenform auch eine vom Gewicht her günstige Alternative zu den Trapez-, Mixte- oder Einrohr-Rahmen sein. Schade eigentlich, daß die Hersteller so hartnäckig ihr Grattler-Image bestätigen.
Alte deutsche Herrenräder wie z.B. von Miele oder Wanderer sind dem Hollandrad geometriemässig gar nicht mal so unähnlich. Und das Hollandrad hat so manche Radmode überlebt: Von Mixte über vollgefedertes Mountainbike bis zum Alurahmen. Die Dinger haben immer noch einen Stahlrahmen mit allen seinen Vorteilen. Und eine Dreigangschaltung, die noch funktioniert Jahrzehnte nachdem die Teile für irgendwelche kurzlebigen Japankomponenten schon lange nicht mehr lieferbar sind. Es ist ein Rad für Pragmatiker der Tiefebene, kein Rad für Ingenieure von der Lufthakenbiegerfraktion. Und Deine Kritik daran zeigt, dass Du es nicht verstanden hast. Versenke Du über die Jahre viele Euros in Dein Rad, der Westfale kauft sich von dem Geld ein Pferd, einen Kartoffelacker oder ein Baugrundstück. Oder viele Lagen Korn - nach deren Genuss ihn das Hollandrad dank seines exzellenten Geradeauslaufs auch noch sicher nach hause trägt.

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