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Rotradeln und Idaho Stop

Alles zum Thema Faltrad/Rad.
Pibach
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Rotradeln und Idaho Stop

Beitrag von Pibach » Fr 13. Nov 2015, 18:20

Im "Radfahren in Berlin" Thread kam ja das Thema Freigabe von Ampeln für Radfahrer auf. Ich denke es hat einen eigenen Thread verdient, da sich das ja nicht nur auf Berlin beschränkt.
Motte hat geschrieben:Ich halte davon wenig (weil die Radfahrer nicht differenzieren werden zwischen freigegebenen Ampeln und anderen).
Aus dem Vorschlag der Grünen sind beide Möglichkeiten denkbar. Also dass an jeder Ampel, für die das gelten soll ein entsprechendes Schild befestigt wird. Ein generelle Einführung des "Idaho-Stops" wird zwar angedeutet, aber nicht direkt forciert. Die Schilder sollen wohl auch erst mal nur Rechstabbiegen freigeben. In Paris ist das wohl auch so, da sind das Rechtsabbiegefreigabe und Geradeausfreigabe bei T-Kreuzungen, siehe Wikipedia. Die normalen "+" Kreuzungen bleiben davon also unberührt.

Beschilderung in Paris:
Bild

Im Grunde wäre das nur eine Legalisierung des de facto Verhaltens. Vielleicht erreicht man dadurch sogar eine höhere Befolgungsquote der übrigen Regeln?

Ich würde ja einen generellen Idaho Stop sinnvoller finden als diesen Büropkratieaufwand mit hunderten Schildern, die eh keinen nennenswerten Effekt auf die Praxis haben. Bevor sowas in Berlin komplett umgesetzt würde, müsste man das aber in einigen Referenzstädten erproben. Gibt es generellen Idaho-Stop in einer europäischen Stadt? Bisher wohl noch nicht.

In Deutschland wird das ansonsten wohl nur für Köln vorangetrieben, aber auch nur die Lösung mit dem Schilderwald.

Wenn die Erfahrungen und Zahlen aus den USA mit dem (schilderlosen) Idaho-Stop aber so deutlich positiv sind, und sich das auch in Europa bewähren sollte, kann das nur eine Frage der Zeit sein, bis sich dieses Konzept flächendeckend durchsetzt.

Der Idaho-Stop verlangt das Behandeln einer roten Ampel wie ein Stopschild, es muss also angehalten werden: "“And some riders think you can just roll through a red light,” he said. The law requires bicyclists to stop at red lights, proceeding only when the intersection is clear."

In den USA liegen dazu umfassende Erfahrungen vor: "According to McLeod, the Colorado cities of Breckenridge, Dillon and Aspen, as well as Summit County, have adopted the Idaho Stop Law, though the state has not. Meanwhile, in South Carolina, Virginia and Wisconsin, cyclists can pedal through a red light if the coast is clear after waiting a certain amount of time"

In San Francisco ist das wohl auch heißes Thema. Allerdings gibt es wohl bisher nur eine Studie dazu, deren Zahlen sind aber überragend positiv:

"The lone study, written in 2010 by Jason Meggs, then a researcher at the UC Berkeley School of Public Health, found a 14.5 percent drop in bicycle injury collisions the year after the law took effect and no change in fatalities.

Meggs also compared bike-car accident rates in Boise and Sacramento, cities he considered similar, and found that Boise had 30 percent fewer collisions in which bicyclists were injured. He concluded that the Idaho Stop Law “has been beneficial or has had no negative effect, encouraging additional states to follow.”"


Ebenso die Praxiserfahrung aus Idaho:
"In his 16 years — and more than 80,000 miles — of patrolling by bike, he said he can’t recall a bicycle collision caused by someone blasting through a stop sign or red light when they should have stopped.

“I’m not saying they haven’t happened,” he said. “But if they have, they’re rare.”"


Video zum Ideaho Stop:


Es gibt natürlich auch Gegenargumente.

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Re: Rotradeln und Idaho Stop

Beitrag von Jonny » Fr 13. Nov 2015, 18:58

Wenn schon der grüne Pfeil für Kfz zum Rechtsabbiegen nach verbindlichem Anhalten bis heute nur selten funktioniert...

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Re: Rotradeln und Idaho Stop

Beitrag von Pibach » Fr 13. Nov 2015, 19:06

Jonny hat geschrieben:Wenn schon der grüne Pfeil für Kfz zum Rechtsabbiegen nach verbindlichem Anhalten bis heute nur selten funktioniert...
Der funktioniert deswegen nicht, weil dann der Rad- bzw. Fußgängerverkehr blockiert wird. Man müsste da immer eine KFZ-Länge Abstände einplanen - das ist aber nicht gegeben.

Das Anhalten spielt für die Sicherheit wohl nur untergeordnete Rolle. Unsicher war der (Auto) Grünpfeil ja nie soweit ich weiß.

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Re: Rotradeln und Idaho Stop

Beitrag von Jonny » Fr 13. Nov 2015, 19:15

Das Anhalten spielt die entscheidende Rolle, weil es die Verringerung der Geschwindigkeit bis zum Stillstand bedeutet. Und damit entsteht eine ganz andere Basis zur rechtzeitigen Wahrnehmung evtl. anderer Verkehrsteilnehmer. Und das Blockieren von Überwegen ist vom Grundgedanken eigentlich eben nicht gegeben, weil Folgendes gilt:
Er erlaubt Fahrzeugen das Abbiegen nach rechts trotz roten Lichtzeichens an einer Ampel, wenn sie zuvor an der Haltlinie angehalten haben und wenn eine Behinderung oder Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer, insbesondere des Fußgänger- und Fahrzeugverkehrs der freigegebenen Verkehrsrichtung, ausgeschlossen ist.

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Re: Rotradeln und Idaho Stop

Beitrag von Pibach » Fr 13. Nov 2015, 22:48

Ja, wirklich angehalten wurde selten, Unfallhäufung gab es allerdings trotzdem nicht, zumindest nicht unter KFZ siehe Untersuchung zum Auto-Grünpfeil der TU Dresden. Problematisch waren aber die Konflikte mit Fußgängern und Radfahrern. Das Fazit ist negativ: "...keine nennenswerten Vorteile im Verkehrsablauf bringt, andererseits aber zu Behinderungen von Fußgängern und Radfahrern führen kann."

Bei dem Rad-Grünpfeil könnte man auch Nachteile für Fußgänger annehmen, wie in der oben verlinkten Argumentation gegen den Rad-Grünpfeil. Andererseits entzerrt es die Konflikte zwischen KFZ und Fahrrädern. Lt. der bisherigen Studien ist die Bilanz ja sehr positiv. Einen genaueren Bericht, wie sich das für Fußgänger darstellt, gibt es aber wohl noch nicht.

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Re: Rotradeln und Idaho Stop

Beitrag von Pibach » Sa 14. Nov 2015, 15:07

Die Fahrrad-Vorfahrt, für die wir Brüssel bzw. Paris als bahnbrechende Beispiele heranführen, sind in der Auslegung der niederländischen Radwege ohnehin standardmäßig integriert - Rechtsabbiegen bzw. geradeaus bei T-Einbiegungen kann der Radfahrer normalerweise unbeeinflusst vom motorisierten Verkehr (und seinen Ampeln). Siehe dieser Bericht:
Bild



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Re: Rotradeln und Idaho Stop

Beitrag von derMac » Sa 14. Nov 2015, 15:17

Pibach hat geschrieben:Die Fahrrad-Vorfahrt, für die wir Brüssel bzw. Paris als bahnbrechende Beispiele heranführen, sind in der Auslegung der niederländischen Radwege ohnehin standardmäßig integriert - Rechtsabbiegen bzw. geradeaus bei T-Einbiegungen kann der Radfahrer normalerweise unbeeinflusst vom motorisierten Verkehr (und seinen Ampeln).
Kommt drauf an, nicht überall ist die Radwegführung dort gleich, schon aus Platz und Bedarfsgründen. Eine entsprechende Ampelregelung gibt es in den Niederlanden meines Wissens nach jedenfalls nicht. In den Ballungszentren hat man es als Radfahrer aber einfacher als in D. Dort wird aber eine recht radikale Verkehrstrennungspolitik betrieben, also genau das Gegenteil vom hier diskutieren.

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Re: Rotradeln und Idaho Stop

Beitrag von Pibach » Sa 14. Nov 2015, 15:25

derMac hat geschrieben:Eine entsprechende Ampelregelung gibt es in den Niederlanden meines Wissens nach jedenfalls nicht.
Es gibt das Schild "rechtsaf voor fietsers vrij", das dem entspricht. Das ist aber wohl nur selten nötig.

Bild
In den Ballungszentren hat man es als Radfahrer aber einfacher als in D. Dort wird aber eine recht radikale Verkehrstrennungspolitik betrieben, also genau das Gegenteil vom hier diskutieren.
Verkehrstrennungspolitik ist nicht unbedingt das "Gegenteil".
In den beiden Ländern mit der höchsten Radfahrquote, Niederlande und Dänemark, wird der Verkehr vornehmlich separiert. Das ist also bewährt. Ob es dazu ein funktionierendes Alternativmodell mit Mischverkehr gibt ist noch unklar. Vrstl. erreicht man damit nicht die vergleichbaren Verkehrsanteile. Langfristig sollte also die Devise sein, Radfahrwege besser zu separieren. Solange das aus Zeit, Platz und Kostengründen nicht umsetzbar ist, kann die (partielle) Rotfreigabe für Radfahrer eine (Übergangs-) Lösung sein, das ist aber im Vergleich nur eine Notlösung.

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Re: Rotradeln und Idaho Stop

Beitrag von derMac » Sa 14. Nov 2015, 15:39

Pibach hat geschrieben:
derMac hat geschrieben:Verkehrstrennungspolitik ist nicht unbedingt das "Gegenteil".
Naatürlich ist es das Gegenteil von Verkehr nicht trennen. Und der hier diskutierte Idaho Stop trennt nicht. Ich seh grad wieder nicht was es bringen soll alles in einen Topf zu werfen.

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Re: Rotradeln und Idaho Stop

Beitrag von Pibach » Sa 14. Nov 2015, 15:41

Diskussion in London: The Guardian

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